Einladung der Gemeinde von Elimäki nach Rathenow

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 13. September 2017 17:00


Liebe Frau Pfarrerin Kirsi Hämäläinen, lieber Herr Kantor Kaarel Kollo, lieber Herr Peter Voecks, liebe Frau Ulla Villa, liebe Gemeindemitglieder in Elimäki,
wir bringe Ihnen herzliche Grüße der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde in Rathenow.
2017 feiern wir 500 Jahre Reformation in Deutschland. Aus diesem Anlass fand ein großer Evangelischer Kirchentag in Berlin und Wittenberg in diesem Jahr statt, bei dem auch die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der ehemalige Präsident der USA, Barack Obama, auftraten. Am 31.Oktober 1517 hat Martin Luther mit dem Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg die Reformation eingeleitet. Für viele Menschen war es eine Befreiung von Unwissenheit und Glaubensnot. Mit seiner Übersetzung der Bibel hat Martin Luther für die Deutschen eine Sprache geschaffen und auch den des Schreibens und Lesens Kundigen einen neuen Zugang zum Glauben gegeben. Ohne die Erfindung des Buchdrucks wäre das natürlich gar nicht möglich gewesen. Auch die Ausbreitung der Reformation hätte nicht auf diese schnelle Art stattfinden können. Martin Luther hat uns befreit vom Zölibat der Priester, hat uns Zugang verschafft zum Abendmahl, wo wir auch heute noch den Leib Christi und das Blut Christi in der Gemeinschaft der Gläubigen jeden Sonntag in den Gottesdiensten erfahren dürfen. Rathenow ist im Zweiten Weltkrieg (1939 -1945) zu 80% zerstört worden. Es mag auch die Strafe Gottes gewesen sein, die auf die Deutschen, die ja in vielfältiger Weise an den Verbrechen des Krieges beteiligt waren, gekommen ist.  Die Rathenower Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde ist auf 2500 Mitglieder zusammengeschmolzen. Die verbrecherische 12jährige Naziherrschaft (1933- 1945) und die 45jährige kommunistische Propagierung des Atheismus (1945 -1990) haben viele Menschen ihren christlichen Glauben geraubt. Trotzdem ist es eine sehr lebendige Gemeinde und nach der Einheit Deutschlands hat sich 1996 ein Förderkreis gegründet, der versucht, die Sankt-Marien-Andreas-Kirche zum Lobe Gottes wiederaufzubauen. Wir sind noch lange nicht fertig mit dem Wiederaufbau, aber Kirchen wurden immer über mehrere Generationen aufgebaut und wir sind auf gutem Wege.
Rathenow hat den Beinamen „Stadt der Optik“, denn 1801 erhielt der damalige Pfarrer Johann Heinrich August Duncker das Patent für eine Vielschleifmaschine, mit der es das erste Mal  möglich war, Brillengläser mit exakten Dioptrien herzustellen. Daraus hat sich eine riesige optische Industrie in Rathenow entwickelt und bis 1939 hat Rathenow die ganze Welt mit Brillen, Mikroskopen, Ferngläsern und optischen Linsensystemen für die Leuchttürme beliefert. In Rathenow ist 1939 Rosemarie Köhn geboren, die als erste Frau ein Bischofsamt in Norwegen in der Stadt Hamar bekleidete. Ihr Vater war ein Optiker aus Rathenow. Sie ist die zweite Frau weltweit in der Evangelischen Kirche, die ein Bischofsamt innehatte. Ein Blick über die Landesgrenzen weitet die Glaubenserfahrung für alle Christen und so würden wir uns freuen, wenn Sie mit Ihrer Gemeinde eine Partnerschaft mit uns aufnehmen. Wir laden Sie für 2018 ganz herzlich nach Rathenow ein und würden Ihnen gern die Stätten der Reformation in Deutschland zeigen.

Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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Biografie von Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. September 2017 18:02



Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg wurde am 10.03.1953 in Comodoro Rivadavia/Argentinien geboren; er ist evangelisch-lutherischen Bekenntisses. Sein Vater Wilfried Karl Christophorus Rautenberg verwaltete in Patagonien zunächst die Estancia La Rosa seines 1945 verstorbenen Onkels und war dann Farmer auf der Estancia Bajo Grande (Las Heras). Er stammte wie seine Ehefrau Ingeborg Anna Minna Engel Marie Rautenberg, geborene Ahrens, aus dem Dorf Hohnstedt in Südniedersachsen. Beide hatten 1951 in Buenos Aires geheiratet. Ihr einziges Kind hat aufgrund seiner Abstammung die deutsche Staatsangehörigkeit (ius sanguinis) und aufgrund seines Geburtsortes die argentische (ius soli). Verwandtschaft lebt noch heute in Argentinien. Dabei handelt es sich um Nachkommen der Schwester seines Großvaters väterlicherseits, die vor dem Ersten Weltkrieg mit ihrem Mann nach Argentinien auswanderte. Es folgte nach dem Ersten Weltkrieg der Bruder seiner Großmutter väterlicherseits.


Comodoro Rivadavia (über 170.000 Einwohner)
Hafenstadt am Atlantik im südlichen Argentinien

Wir kommt man nun zu den Vornamen, die für deutsche Ohren doch  recht fremdländisch klingen. Erardo Cristoforo Rautenberg schreibt zu seiner Geburtsanzeige folgenden kleinen Kommentar.

Geburtsanzeige
 




"Bei dem Namen Erhard-Christoph ist es nicht geblieben: Da ich mit der Geburt in Argentinien auch die argentinische Staatsangehörigkeit erlangt hatte, musste mein Vorname nach der damaligen gesetzlichen Regelung ein inländischer sein. Aus Erhard ( nach meinem im April 1945 mit 17 als Luftwaffenhelfer gefallenen Bruder meines Vaters) wurde somit  in der Geburtsurkunde Erardo, aus Christoph aber nicht Cristobal, denn meine Mutter mochte den Namen nicht und meinem Vater gelang es, den Standesbeamten mit italienischen Wurzeln zu der italienischen Version zu überreden:Cristoforo. Doch wurde ich weiterhin Erhard-Christoph genannt, bis ich meine ersten Personalausweis beantragte, für  den der Name aus der Geburtsurkunde übernommern werden musste. Seitdem steht dieser Name in allen folgenden Ausweisen und Urkunden."
Die Taufe erfolgte am 7. März 1954 auf der Estancia Bajo Grande durch Pfarrer Wilhelm Mirus der Deutschen Evangelischen Gemeinde. Das Wort der Ansprache lautete: "Jesus spricht: Lasst uns hinüberfahren" (Markus 4,35). Der Taufspruch war das Geleitwort für das Jahr 1954: "Jesus spricht: Ich bin das Brot des Lebens" (Johannes 6,35).


Ingeborg und Wilfried Rautenberg mit Erhard-Christoph in Argentinien


Patagonien

1954 kehrten die Eltern mit ihrem Sohn nach Deutschland zurück, und zwar zunächst in das  Heimatdorf seiner Eltern: Hohnstedt bei Northeim (Niedersachsen).

Mutter und Sohn
auf der Schiffspassage
von Argentinien nach Deutschland