Biografie von Joseph Hermann Tressel

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 10. Januar 2011 03:43

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Hermann Joseph Tressel wurde am 17.09.1932 in München geboren. Der Vater Franz Joseph Tressel war Maschineningenieur und stammte aus Lautrach bei Memmingen im Allgäu. Die Mutter, Maria Anna Theresia Tressel, geborene Pensberger, war Hausfrau und stammte aus Bad Tölz. Hermann Tressel wuchs mit seiner älteren Schwester Wilma auf, die die Eltern adoptiert hatten.

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Wappen der Familie Tressel
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel
im Haus der Familie in Rathenow

Der Vater wurde 1934 nach Rathenow in die Landmaschinenzentrale am Viertellandsweg versetzt. So kam die Familie nach Rathenow, was für die adoptierte Schwester gut war, da sie Halbjüdin war und dadurch der Verfolgung besser entzogen werden konnte. Seine Schwester Wilma ging aber 1939 wieder nach München zurück und starb 2006. Die Familie verlebte  bis zum Ende des zweiten Weltkrieges jeden Urlaub in Bayern, um Verwandte und Bekannte zu besuchen und die heimatlichen Wurzeln zu pflegen.

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Stadtansicht von Rathenow nach einem alten Stich
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel
im Haus der Familie in Rathenow

Hermann Tressel wurde in Rathenow zunächst in die Hagenschule (heute Feuerwehr) eingeschult und wechselte dann zur Jahnschule. Ab der 5. Klasse besuchte er das Gymnasium in der Schleusenstraße und legte hier 1952 verspätet durch die Kriegswirren das Abitur ab. Man hatte noch versucht ihn 1945 zum Volkssturm einzuziehen. Die schnell fortschreitenden Kriegsereignisse machten aber einen Einsatz nicht mehr erforderlich.  Hermann Tressel war katholisch erzogen und aufgewachsen. Er wurde natürlich auch durch den Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Georg in Rathenow, August Fröhlich, geprägt.  August Fröhlich war von 1937 - 1941 als Pfarrer in der Katholische Gemeinde St. Georg in Rathenow eingesetzt. Er hatte sich unerschrocken gegen Misshandlungen der Zwangsarbeiter in der optischen Industrie in Rathenow gewandt und wurde am 22.06.1942 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Nach der Nazidiktatur fielen dem so politisch gebildeten jungen Tressel natürlich die Ähnlichkeiten einer kommunistischen Diktatur  mit dem von den Kommunisten ideologisch bekämpften Naziregime auf. Hermann Tressel  war, wie Maria Meuß, die Tochter eines Rathenower Pfarrers, nicht in der Freien Deutschen Jugend (FDJ), was bedeutete, dass man in Staatsbürgerkunde eine fünf erhielt und das Abitur nicht bestanden hatte. Erst der neue Direktor, Dr. Heinz Schirrholz, schaffte diese diskriminierde politische Praxis ab, sodass beide das Abitur bestanden.   Hermann Tressel wollte Medizin studieren und  Missionsarzt werden nach dem Vorbild von Albert Schweitzer. Eine Zusage für einen Studienplatz in Regensburg hatte er ab 1953. Erdmann Bogisch, sein Musiklehrer, riet ihm aber, Musik zu studieren. Hermann Tressel hatte auf Betreiben seiner Mutter schon als Kind Violine spielen gelernt und musste nun innerhalb von sechs Wochen noch Klavier lernen, damit er an einer Aufnahmeprüfung am Institut für Musikerziehung an der Humboldt-Universität zu Berlin teilnehmen durfte. Hermann Tressel bestand die Aufnahmeprüfung und studierte ab 1952 Schulmusik am Institut für Musikerziehung der Humboldt-Universität zu Berlin bei Professor Dr. Friedrich Graupner.
Professor Graupner war ein exzellenter Musikpädagoge und die Studenten mussten acht Semester studieren, wenn sie an der Oberstufe unterrichten wollten oder sechs Semester, wenn sie an der Mittelstufe unterrichten wollten. So studierte Hermann Tressel von 1952 -1956 acht Semester an diesem Institut und erhielt Einzelunterricht bei den Dozenten. Es war eine unpolitische Ausbildung, weil die Musik im Vordergrund stand. Nachdem Prof. Graupner 1955 in den Westen geflohen war, wurde auch der Unterricht politisiert. Der Nachteil dieser hochqualifizierten Ausbildung war, dass man nur Musik studieren konnte und kein zweites Lehrfach angeboten wurde. So gingen dann auch die meisten Absolventen nach dem Studium zu den Rundfunkanstalten und nur zwei seines Jahrgangs wurden wirklich Musiklehrer. Während der Studentenzeit hatte er sich immer mit Musikunterricht an verschiedenen Schulen in Berlin etwas dazu verdient und kannte den Schulbetrieb mit allen Höhen und Tiefen. Im Gegensatz zu den meisten Kommilitonen war er dadurch fit für den Schulunterricht. Er hatte auch zwei Chöre geleitet, den Chor am Außenministerium der DDR und den Chor der Fachschule der Bibliothekare in Berlin und besserte so sein knappes Stipendium auf. Er hatte mit seiner Frau Helga für sich beschlossen, 1955 auch nach Bayern zu gehen. Er wollte natürlich seine Eltern mitnehmen. Die in Bayern lebenden Schwester Wilma fürchtete aber familiäre Belastungen für sie, sodass die Familie doch von einer Flucht in die alte Heimat Abstand nahm. Nach dem Staatsexamen musste er sich verpflichten, nach Sondershausen zu gehen, bekam aber dort keine Wohnung. So kam er 1956 doch nach Rathenow und sollte in Premnitz arbeiten, kam aber durch glückliche Umstände und mit Unterstützung des Direktors der Erweiterten Oberschule Dr. Heinz Schirrholz mit einer halben Stelle zur Oberschule und mit einer halben Stelle an die Bruno- H.- Bürgelschule nach Rathenow.

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Bismarckturm auf dem Weinberg in Rathenow
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel
im Haus der Familie in Rathenow

Ab dem zweiten Jahr arbeitete er dann nur noch an der Erweiterten Oberschule " Karl Marx" in Rathenow. Er unterrichtete auch Latein bis zum Abitur, nahm aber, als das Fach zurückgefahren wurde, als Zweitfach Russisch. Durch die Forderungen des russischen Kommandanten gründete er die Musikschule für russische Kinder und unterrichtete mit seiner Frau, mit Lisa und Dieter Sanselzon als Vertragslehrer jeden Nachmittag die Kinder der Offiziere der russischen Garnison in Klavier, Bajan, Akkordeon und Gitarre. Seinen Russischkenntnissen tat das gut und es brachte neben dem schmalen Salär als Musiklehrer noch eine Aufstockung der Familienkasse. Im Fernstudium holte er bis 1972 in Potsdam das Staatsexamen als Russischlehrer nach und konnte nun regulär zwei Fächer an der Erweiterten Oberschule " Karl Marx" unterrichten. 1956 trat er der Christlich Demokratischen Union (CDU) bei. Die CDU-Kreissekretärin Conrad hatte vor seiner Aufnahme erst bei der SED-Kreisleitung angerufen und die Zustimmung eingeholt. Die CDU war damals noch nicht gleichgeschaltet und wandte sich noch gegen die Jugendweihe. Hermann Tressel engagierte sich hauptsächlich für die Kultur. Er erinnerte sich, dass er in Potsdam nachfragen musste, ob er christliche Weihnachtslieder singen durfte und erhielt die Antwort, christliche Weihnachtslieder könne er schon singen lassen, nur keine Kirchenlieder. Er war auch Abgeordneter im Rathenower Stadtparlament. Schon früh hatte er den Chor der Rathenower Katholischen Gemeinde St. Georg geleitet (1951-1958) und spielte auch zeitweise Orgel zu den Gottesdiensten in der Katholischen Kirche St. Georg in Rathenow. Lilian Schmidt hatte den Karl-Marx-Chor gegründet, der aus Schülern der Karl-Marx-Oberschule entstanden war, aber ein Eigenleben entwickelte. Ihr Vater, der so genannte Milchschmidt, war eine Kulturgröße in Rathenow und spielte in einem komischen Theaterstück "Alwin der Letzte" erfolgreich die Hauptrolle, in dem es um Probleme in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) ging. Er gehörte auch der CDU an. Nach Lilian Schmidt übernahm Dieter Nachtigall die Leitung des Karl-Marx-Chores, der später in Trägerschaft der FDJ-Kreisleitung überging. 1956 gründete Hermann Tressel den Chor der Erweiterten Oberschule " Karl Marx" und wurde so zu einer Konkurrenz zum etablierten Karl-Marx-Chor. Der Direktor Dr. Heinz Schirrholz forderte aber die Neugründung, weil er seinen eigenen Schulchor wollte. Obwohl er anfänglich noch liberale Auffassungen vertrat, wurde er nach dem Bau der Mauer 1961 ziemlich engstirnig gegenüber dem Lehrerkollegium. Am Ende der 50iger Jahre löste sich dann der Karl-Marx-Chor von  selbst auf, weil kein Nachwuchs mehr kam. Es bahnten sich aber für den Chor der Erweiterten Oberschule " Karl-Marx" in den siebziger Jahren erneut Gefahren durch die neu entstehenden Singegruppen an, die im Gegensatz zum Chor als politisch zuverlässig galten. Der Chor spielte im kulturellen Leben der Schule und der Stadt eine bedeutende Rolle. Trotzdem wurde er nur duch einen Zufall gerettet. Prof. Grüttner bekam den Auftrag einen zentralen FDJ-Chor als Ensemble aufzubauen. Der Chor der Erweiterten Oberschule "Karl Marx" in Rathenow konnte da mitwirken und brachte so alle politischen Gegner zum Schweigen. Das zentrale Chorensemble scheiterte 1984 an der Abschaffung der Vorbereitungsklassen (9. und 10. Klasse),sodass die Schüler nur noch zwei Jahre im Chor singen konnten. Doch der Chor der Karl-Marx-Oberschule überbestand auch diese Zeit und wurde nach der Einheit Deutschlands in Dunckerchor und später in Schulchor des Jahngymnasiums umbenannt.

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Kreisverwaltung in Rathenow
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel
im Haus der Familie in Rathenow

Die Chöre haben es Hermann Tressel angetan. 1954-1956 leitete er den Männerchor in Neufriedrichsdorf in Rathenow. 1957 übernahm er den Gesangverein in Milow und 1958 den Chor in Mögelin. Beide  Chöre führte er im nachfolgenden Jahrzehnt zusammen und leitete sie bis 2005 als Chorvereinigung Milow-Mögelin. Die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Duncker hatte Helga Tressel 1974 engagiert, um einen Chor aufzubauen. 1982 übernahm der Ehemann Hermann Tressel diesen Chor und leitet ihn noch heute als Frauenchor Rathenow e.V..
1953 hatte er sein spätere Frau Charlotte Erna Helga Böhme während seines Musikstudiums kennengelernt. Sie hatte ein Jahr nach ihm am Institut für Musikerziehung der Humboldt-Universität zu Berlin ein Studium zur Musiklehrerin für die Mittelstufe begonnen und war somit gleichzeitig mit ihm fertig.  Am 20.07.1955 heirateten beide. Am 16.11.1956 wurde Regina Maria Tressel, am 24.08.1960 Monika Sabine Tressel und am 24.10.1965 Silvia Martina Tressel geboren.

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Haus der Familie Tressel in Rathenow
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel

Die Familie reiste gern und viel. Vor der Einheit Deutschlands wurden fast alle osteuropäischen Länder bereist und nach der der Einheit die westeuropäischen.1997 ging Hermann Tressel in den Ruhestand, war aber immer engagiert als Stadtverordneter der CDU und als leidenschaftlicher Chorleiter. Die Höhepunkte seiner beruflichen Laufbahn sind schon die Chorkonzerte gewesen, die auch für ihn Glanzpunkte seines Lebens waren. Er fühlt sich in der märkischen Landschaft wohl und liebt die Weite des Landes. Er kam auch mit seiner katholischen Lebensweise hier gut zurecht, wenngleich er den Glanz in den Kirchen und bei den Messen im Lande seiner bayrischen Vorfahren  nicht fand.

Hermann Tressel ist ein sehr praktischer Mensch und handwerklich begabt. Er hat viele schöne Intarsienarbeiten aus Holz in seinem Haus selbst angefertigt und liebt auch die Gartenarbeit. Das Wichtigste in seinem Leben war und ist aber die Musik. Sie begleitet ihn durch alle Höhen und Tiefen seines Lebens. Viele Schülergenerationen sind durch seine musikalische Ausbildung geprägt worden und haben ihre Liebe zur Musik durch ihn entdeckt. Auf den Chorfesten in Rathenow wird er als ein Nestor des musikalischen Lebens in Rathenow gefeiert und gewürdigt. Er ist eine prägende Figur im kulturellen Leben der Stadt Rathenow und des Landkreises gewesen und leitet ja heute noch den Frauenchor zur Freude der Sängerinnen und der Zuhörer bei den Konzerten.

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Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow
Intarsienarbeit in Holz von Hermann Tressel
im Haus der Familie in Rathenow

Am 01.08.2006 trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. bei, weil er als CDU-Stadtverordneter den anderen Abgeordneten zeigen wollte, dass er sich für den Wiederaufbau des Wahrzeichens der Stadt Rathenow engagiert und ihnen ein Zeichen zur Nachahmung geben wollte. Am 15.09.2012 gab der Frauenchor Rathenow unter dem Dirigat von Hermann Tressel ein

Festliches Konzert

in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche aus Anlass des 60jährigen Chorleiterjubiläums von Hermann Tressel. Als Gastchöre waren der Burger Volkschor und ein Gesangsensemble aus Schönebeck geladen. Das  Konzert war nicht nur dem 60jährigen Chorleiterjubiläum gewidmet, sondern stellte auch eine Hommage zum 80. Geburtstag am 17.09.2012 dar.

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Herrmann Tressel am 17.09.2012
mit Ehefrau und Enkelin
in der kleinen Idylle des Tresselschen Hausgartens

Am 04.08.2014 starb Hermann Tressel in Rathenow kurz vor Vollendung seines 82. Lebensjahrs.

Am 25.02.2015 überreichte ihm die Vorsitzende des Kulturausschusses, Karin Dietze, im Auftrag der  Stadt Rathenow posthum den Kulturförderkreis 2014, der mit 500,00 € dotiert ist. Seine Witwe, Helga Tressel, nahm die Auszeichnung tief bewegt an. Hermann Tressel hat mi seinem Wirken als Musiklehrer und Chorleiter sowie als Abgeordneter im Stadtparlament  das musikalische Leben in der Stadt Rathenow geprägt und beeinflusst.  Kurz vor seinem Todes gab er noch ein schönes Konzert mit dem Frauenchor in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow.   Hermann Tressel hatte 1945 in Buckow (Nennhausen) bei einen Ausflug im Schutt eine altes Messbuch von 1516 gefunden, dass er ordentlich restaurieren ließ und 2010 an Dr. Uwe Czubatynski, dem Leiter des Domstitfarchivs in Brandenburg, übergab.

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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Biografien

Auf dem Bock und unterm Rock

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 13:09


von Günter Thonke

Die Windmühlen als Zeugen der Vergangenheit sind selten geworden und bestimmen nun kaum noch als Landmarken das Bild.

Dem Denkmalschutz ist zu oft die Zeit davongelaufen.

Es wartet kein Müller mehr an seiner Luke auf das Mahlgut der Kunden, woran er seinen Anteil und dadurch die fettesten Schweine im Stall hatte. Kein Geselle hilft mehr beim Mahlen, dem Winden und die Mühlsteine behauen und die auf einer eichenen Bockwindmühle tätig waren, von denen sagte man, der arbeitet auf dem Bock. Auf den Holländermühlen mit dem drehbaren Kopf und dem wie ein langer Frauenrock aussehenden Mühlenkörper, die ökelte man als unter dem Rock arbeitend. Viele Menschen tragen den Namen Müller im Schilde und waren es einst im Leben gewesen. Der Wind wehte ja nicht immer und da hat man nicht nur Säcke geflickt gehabt, sondern Spaß gehabt, daß es ihrer viele wurden!

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Benebelt im Nebel

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 13:08


von Günter Thonke

An der Garzer-Schleuse waren sie wegen des Nebels an Land gegangen und hofften, die Sicht möge sich bessern und ein Schlepper sie den Fluß bergauf an den Haken nehmen, um am Wochenende in Rathenow daheim sein zu können. So aber erhöhten sie ihren Pegel- stand am Zapfhahn. Selbst nebelig geworden waren die Drei der Meinung der klare auf und sie legten ab, um den Kahn zu staken.

Bei ihrer harten Arbeit waren die Staker schnell ausgenüchtert, doch kurz hinter Grütz liefen sie auf ein Sandbank, als sie die Kurve nicht bekamen und ihre Kraft reichte nicht , freies Wasser zu bekom- men. Als sie daher die Vorderkajüte aufsuchten und auf Wilhelm den Steuermann warteten, riefen sie ihn: „ Wilhelm, woat mokste denn?“

Aus dem Nebel tönte es benebelt: „Ick stüer!“

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Aus dem wendischen Sprachschatz

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 13:04


von Günter Thonke

tobola,tobole = Töbelkiep , Tasche, Hirtentasche

hot und tu (auch wist) = Rechts und Links (Hü und Hott)

dalej = weiter, schnell, vorwärts (dalli,dalli)

kolesa = Kalesche, Räderfuhrwerk

koelja = Korb, Kutsche

kareta = Karre, schlechter Wagen

droga = Droschke

drozka = kleiner Weg, leichter schmaler Wagen

chomatu = Joch, Kummet

bicz = Peitsche, Pitsche (platt)

karbacz = Karbatsche,geflochtene Geißel

kanczuk = Riemenpeitsche, Kantschu butz = Schlafstelle

döns = Stube

hutsche = Fußbank

baba = Bett

schlippe = Schoß

ketzer = Kescher, Fischnetz

glupsch = trotzig

aische = unartig

pracher = Bettler

prampinen = quälen, keine Ruhe lassen

slaow = sich abquälen Sklave

rabanzen = arbeiten

bred = waten (Brädikow)

plavi = Floss, Schiff (Plaue)

kolono = Knie (Schollene)

reka = Fluss (pro reka-Parey)

pleso = See (Plessow)

vrch,gora = Berg (Görne,Gohre)

lug = Bruch, Luch (Lochow)

luza = Sumpf (Lietzow)

para = Morast (Paaren)

tek = fließen (Steckelsdorf)

pretoku = durchfließen (Prietzen)

bagno = Moor (Bahnitz)

studenici = Brunnen (Stüdenitz)

wedel = Quelle (Salzwedel)

rebru, reber = Anhöhe (Rehberg)

suchy , suchu = trocken (Zauchwitz,Zauche)

zemlja, ziemia = fruchtbar (Semlin)

hlumu,cholm = Hügel (Golm)

leda, ledina = wüst (Landin)

vyzu, wysoky = hoch (Wittstock)

glina = Lehm (Glien)

kremy = Kiesel (Kremmen)

pesuku,piasek = sandig (Pieskow,Markgrafpieske)

slanu = salzig (Schlänitz)

slatina = Sumpf, Slate (Schlachtensee)

soli = Salz (Selbelang)

buk = Rotbuche (Buckow)

dabu, dob = Eiche (Damme)

lipa = Linde (Liepe)

boz, bez = Hollunder (Pessin, Päwesin)

breza = Birke (Briesen, Wriezen)

sosna = Fichte ( Zootzen, Zossen)

brestu, brijest = Rüster,Ulme (Briest)

deguti = Birkenteer (Dechtow)

glogu = Weißdorn (Glogau)

grusa = Birnbaum (Krossen)

jariza = Sommerfeld (Jerichow, Garlitz)

luby = lieb,teuer (Lebus)

koreni,korjen = Wurzel (Chorin, Kyritz)

pini, pien = Stubben (Pankow,Pinnow)

pyro = Weizen ( Pyritz,Pirow)

ruzy,roz = Roggen (Retzow, Roskow)

repa,repina = Rüben (Ruppin, Reppen)

seno, siano = Heu (Senzke, Zinna)

slama = Stroh (Schlamau)

smarz = Morchel (Schmerzke)

cis, tisu = Eibe (Dessow, Deetz)

topola = Silberpappel (Toppel, Töplitz)

vruba, vjerba = Weide (Werben)

bor = Wald (Barnewitz)

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Beiderseits der Havel von Rathenow bis Plaue

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 12:38


von Günter Thonke

Richtung Westen verlassen wir über die Havel und den Kanal den Ort und nähern uns den Kreisverkehr am Ende von Neue Schleuse, von den wir uns gen Böhne bewegen. Über die ICE-Strecke, einst die Blockstelle führt uns nun eine Brücke, von der wir in das Land schauen können bis zum Höhenzug des Pappert im Westen. Links liegt Bölkershof mit dem Mont Klamott der Stadt und den Sortierwerk der Firma Friese. Die Gehöfte danach wurden nach Dorfbränden ausgelagert auf ihre Ackerflächen, aber auch als Ziegeleien bis 1914 genutzt (Borchmann auf Ludwigshof, Fähnlein auf Bölkershof ).

Wir kommen nach Böhne und haben zuvor den Königsgraben erreicht, der zur Entwässerung der Niederung von Jerichow her auf Anraten des Sydower Pfarrers durch den „Alten Fritz“ um 1750 gegraben wurde. Einst wurde diese Niederung oft von Deichüber- flutungen der Elbe geplagt. Das Dorf Böhne (bonum= guter Ort) ist Wohnsitz des Landrates von Briest 1675 gewesen und von dort wurde die Rückeroberung Rathenows geplant mit seiner Hilfe. !944 wurde dort der damalige Hausherr Generalfeldmarschall von Kluge in aller Stille am Mausoleum auf dem Pappert bestattet. Heute ist dort alles eingeebnet, nur drei Steine erinnern an von Briest, von Briesen und von Kluge, die dorten ihre letzte Ruhe gefunden haben. 1412 hausten in Böhne die von Putlitz und von Quitzow räuberisch und wollten das Dorf einäschern, wenn nicht 6 Wispel Hafer und 5 Fuder Bier nachgeliefert werden würden. 1415 regulierten die Hohenzollern diese Landplage, nutzten aber später diese Leute für ihre Vorhaben!

Wir biegen ab nach Bützer, schon 946 und 1150 als Podesal erwähnt. Die letzte Ziegelei der einst vielen hier stellte 1966 die Produktion von Dachsteinen ein als VEB. Zuvor einst Witte & Sohn vom Sohn, gestempelt: Witte&SvS ! Rathenow auf den Steinen.

Die kleine Kirche hat uralte Deckenmalereien aus dem 12.Jahrhdt.

Die Brücke nach Milow über die Stremme, einst Grenze zwischen den Bistümern Brandenburg und Havelberg ist erreicht. Bevor es hier eine Zugbrücke gab, war dort nur eine Kahnfähre gewesen, auf der es wegen Überlastung zu einem folgenschweren tödlichen Unfall gekommen war. Da diese Zugbrücke 1945 gesprengt wurde folgte die heutige Brücke. Die Havel nimmt am Milower Schloss die aus dem alten Plauerkanal bei Rossdorf kommende Stremme auf, die am Milowerberg (72m) und Vieritzerberg (86m) die Wolfsmühle die Kraft lieferte. Die Fachwerkkirche in Milow ist einen Besuch wert und wir werden auf der Rückfahrt durch die Gemeinden kommen. Zur Linken fahren wir über die neue Brücke, die der alten Fährstelle nach dem Kriege folgte. Das linker Hand liegende Schloss, war einst eine oft umkämpfte Burg gewesen zwischen dem Magdeburger Bischof und dem Brandenburger Markgrafen und Kurfürsten. Von 1407 bis 1754 saßen dort die von Treskow, ehe Moritz von Anhalt, Sohn des „Alten Dessauer“ das Gut erwarb. Die Fähre wurde lange Zeit durch einen Bolle betrieben.

An der östlichen Havelseite treiben die Premnitzer Wassersport und viele bauten sich dort an der Strasse Datschen und Wohnhäuser.

Die Ampel leitet uns durch die alte Dorfstrassen von Premnitz,

an der Kirche vorbei und in der es noch den Luckeschen Vierseitenhof

gibt aus der Zeit als die Landwirtschaft noch „in“ war, aber auch die Ziegelproduktion schuf Arbeit. Die Tone kamen aus dem 1912 abge- soffenen See und wurden mit einer Seilbahn zur Ziegelei am Fluss gebracht. Groß wurde Premnitz durch die im ersten Krieg nach hier verlegte Pulverfabrik aus Köln- Rottweil, die dann auf Kunstseide durch die I.G.Farben umgerüstet wurde und der Schwefelsäure, Bleitetraethyl- und Aktivkohleherstellung folgten bis zu deren aus nach der Wende. Durch Polyamid hofft man auf einen neuen Anfang. Wir passieren das Wahrzeichen des Ortes, die Reste der alten Hafenbahnbrücke, den Bahnhof-Süd und verlassen den Ort am Kraftwerk zur Linken vorbei. Zur Rechten erkennen wir die Relikte einer alten Holländer-Mühle, ehe wir uns Döberitz nähern, einem alten wendischen Rundling einst, das sich heute nicht eingemeinden lassen möchte. Über Gapel kommen wir in das über tausendjährige Pritzerbe, sehen zur Rechten die Havel und ahnen dort die Bahnitzer-Schleuse mit seiner Sportboot-Umfahrung. In Pritzerbe gibt es noch die Fähre nach Kützkow mit seinem Zeltplatz und für PKW die Möglichkeit auf Plattenwegen nach Bahnitz und Möthlitz zu kommen.

Am Bahnhof geht es in Richtung Marzahne am Pritzerber-See vorbei.

Am Pass zwischen dem Ort und Fohrde kreuzen wir den Wasserweg zur Havel. Hier soll auch die Fluchtburg des Brandenburger Bischofs gewesen sein, ehe er diese nach Ziesar verlegte, näher zum Dienst-

Herrn in Magdeburg. Die alte Orgel in Pritzerbe stammt aus der Garnisonkirche von Potsdam (1772), die Glocken goss man 1793 in Berlin. Fischfang und Schiffbau hatten hier eine Heimat gehabt, solange der Wasserweg ein wichtiger Transportweg war. Der Bau des Plauerkanals reduzierte die Hauptrichtung Stettin- Magdeburg, nur nach Hamburg wuchsen die Transporte noch. Der Fluss war bis 1900 reguliert worden für die Schiffsgrößen durch Buhnen und Begradig- ungen und den Schleusen als Staustufen. Seenartig erweitert er sich bis zum Pass in Plaue. Die Havel hat ein sehr geringes Gefälle, von Spandau bis zur Mündung sind es 10 Meter. Beträchtlich ist dagegen die Breite,bei Potsdam 60-100 m, bei Brandenburg 215 – 315 m, bei Pritzerbe 100 – 160 m.

In Fohrde (1227 villa verden,1450 vorde) meint die Furt hier.

Über Tiekow und der Insel Lutze (luce= Versteck, Lauer) gegenüber

erreichen wir Briest (1294=villa brisitz,1396 =windisten Briest).

In Krahnepuhl gibt es weiterhin noch Steine und der Briester Flugplatz hofft auf eine Zukunft, ehe wir den Plauerpaß erreichen, einst durch seine natürliche Lage ein wichtiger der Mark.

Die alte Brücke und die Durchfahrung des Ortes hat ausgedient und nach einem mühevollen Bau tut es die neue Brücke. Im Ort Plaue geht es gemächlicher zu, das Schloss von einem Minister Friedrich des Ersten – von Görner – erbaut, kann zu einem der schönsten Landsitze der Mark gerechnet werden. Einst als Burg gehörte sie dem Magdeburger Erzbischof, dem Landeshauptmann Lippold von Bredow und dem Johann von Quitzow, ehe der Hohenzoller 1412 ihn vertrieb

Bögen wir im Ort ab, so kämen wir über die Brücke zum Wendsee nach Kirchmöser zum Seegarten am Plauer See. Wir aber fahren gen Genthin bis Neu-Bensdorf, biegen ab nach Alt-Bensdorf oder dort noch einmal nach Vehlen am dortigen Berg. So wir es nicht tun, geht es weiter nach Knoblauch. Hier soll einst eine Hostie aus der Kirche gestohlen worden sein, welche eine Vertreibung der Juden aus der Mark einleitete. Nitzahn und Jerchel heißen die nächsten Dörfer. In Jerchel wurde die Kirche abgerissen wegen Baufälligkeit, nur eine freihängende Glocke markiert noch die Stelle. In der Ferne sehen wir die Schlote von Premnitz und durchqueren Marquede, wo einst Ziegelsteine gebacken wurden. Vor uns liegen die Milower Berge und wir erreichen den einstigen Ortsteil Leopoldsburg, einer Gründung des Moritz von Anhalt. Der ließ eine eigene Kirche der reformierten Gemeinde bauen für seine Leute aus dem Anhaltinischen. Die sollte zwar schon abgerissen werden, dient heute dem Gelde. Die Eisenbahn kam einst von Genthin bis Milow-Süd, wurde aber nie bis Premnitz weitergeführt wie es einst geplant war. So hat alles seine Zeit. Die Dorfgrenze der beiden Gemeinden waren an den Vorgärten zu erkennen, Leopoldsburg leistete sich keine. Bimmel-Bolle, ein Bruder des Fährmannes, aus Berlin baute sich in Milow einen Prunkbau für die Erholungsuchenden seines Molkereibetriebes in Berlin. Sie wird nun als Jugendherberge genutzt.

Über die Havel und Premnitz nähern wir uns dem wachsenden Mögelin. Diese Chaussee wurde erst vor hundert Jahren über Pritzerbe nach Brandenburg gebaut, vorher ging der Weg über Grünaue, Seelensdorf, Hohenferchesar und Briest und als Chaussee über Bamme nach Marzahne seit 1848. Das Dorf Mögelin gehörte einst dem Bredow und den Kalandsbrüdern, einem Bettelorden und war an die Kirche Rathenows gebunden. Eine Ziegelei und Köhlerei im Walde belebten den Ort, in neuerer Zeit war es auch die Optik und der Maschinenbau gewesen. Heute siedeln sich viele Eigenheimbauer östlich der Bahn an, sie verdoppelten die Einwohnerzahl und alle haben nun Premnitz als Amtgemeinde. Die einstige Umgehungs - strasse ist wieder eine Dorfdurchfahrt geworden und wird gerne auf Tempofahrer kontrolliert. Ein Altarm der Havel wurde von den Bützerschen Ziegeleien einst zum Umladen der Steine vom Schiff auf einen Gleisanschluss genutzt. Das neue Gewerbegebiet auf dem Gelände des einstigen Arado-Flugzeugwerkes und Heidefeldes beginnt sich zu mausern und möge zu den gewünschten Arbeitsplätzen führen. Das füge die Zukunft.

Rathenow hat uns wieder, - Bismarckturm und Kirchturm grüßen und durch den Tunnel unter der ICE-Strecke kommen wir heim.

Wir sahen unsere Perlen am märkischen Sand, mehr und weniger geschichtsträchtig, aber für viele von uns die alte oder neue Heimat!

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Die Apothekerraupen

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 12:00


von Günter Thonke

Der Kohl war in diesem Jahr voller Raupen. Ohne Chemie hatte das Ungeziefer freie Bahn. Tritt dieses in Massen auf, meiden es sogar die natürlichen Feinde. Die Menschen beauftragen ihre alten Leute, die die Enkel wegen des Bückens um Hilfe bitten. Umsonst ist da auch nichts. Opa quälte sich durch die Kohlreihen, als ein Jugendfreund aus seiner Sturm- und Drangzeit aus Strodehne, wohin das Neueste immer etwas später kam und Schlüsse langsam gezogen wurden, am Gartenzaun hielt und ihn fragte, was er da tue. Ob aus der Jugendzeit noch eine Rechnung offen war oder Opa der Teufel ritt, sagte er: „Ich mache das große Geld!

Du weißt doch wie teuer die Medizin geworden ist und im Vertrauen, mir kauft der Apotheker in der Stadt für einen Groschen das Stück die Raupen ab. Aber nicht weiter sagen, sonst fallen die Preise. Ich weiß zwar nicht , was damit geschieht, ob Tinktur, Salbe oder Extrakt da- raus gemacht wird, doch alle sind nach der Suche für alles. Heute lohnt es sich wie toll und da schafft es .“ Nun aber schnell nach Strodehne und nach dem Kohl schauen, den unzählige herrliche Raupen schon im Griff hatten. Mutter mußte alles stehen und liegen lassen und bei der Raupenernte helfen.

Am frühen Morgen ging es mit dem zugedeckten Korb zum Bahnhof. Im Zug hatten sich die ersten Kohlweißlinge befreit und verwunderten den Billettkontrolleur. In der Apotheke boten sie dem Provisor ihre Ware an, der Heilkräuter vermutete und diese begutachten wollte nach der Regel, erst die Ware , dann den Preis.

„Nehmen sie bitte das Tuch vom Korb.“

„Aber auf ihre Verantwortung!“

Das war ein Flattern im Officin. Die Metamorphose hatte sich über Nacht vollzogen. Aus den Raupen waren Falter geworden. In einem Tohuwabohu verließen die Eheleute fluchtartig die Apotheke.

„Siehste ,Frau, wären wir gestern gefahren hätten wir gutes Geld für deine eingeplanten Wünsche in der Stadt gehabt. Nun mußt auch du dich bescheiden und weiter sparen. Aber nächstes Jahr wer- den wir klüger sein und auch mehr Kohl anbauen.“

Als Opa sie vom Bahnhof kommen sah, reterierte er schnell in seinen Stall. Später kam sein Scherz aber doch unter die Leute und von den Lachern erfuhr ich es.

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Carolagrün

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 14:09


Tbc-Heilstätte Carolagrün
1900 - 1965

Erbaut von 1899 bis 1900 durch den Sächsischen Heilstättenverein erhielt die Heilstätte bei der feierlichen Einweihung am 15. Oktober 1900 in Gegenwart der Sächsischen Königin Carola und ihr zu Ehren den Namen Carolagrün. In den 65 Jahren bis 1965 war Carolagrün eine angesehene Tbc-Heilstätte von gutem Ruf, gelegen inmitten erzgebirgischer Wälder des Kreises Aue in einer Höhenlage von 650 Metern als Ortsteil von Schönheide. Heute gehört Carolagrün als Ortsteil zur Stadt Auerbach.
Nach Erweiterungen und Moderniserungen hatte Carolagrün als Frauenheilstätte eine Kapazität von 189 Betten in vier Stationen mit allem erforderlichen Nebengelass und einer medizinischen Abteilung mit Operationssaal, Röntgenabteilung, Labor, Behandlungsräumen für HNO- und Zahnarzt sowie einem ärztlichen Sekretariat mit Untersuchungs- und Sprechzimmern. Damit besaß Carolagrün den Standard einer konservativen Heilstätte mit kleiner und mittlerer Lungenchirurgie.

Tbc-Heilstätte Carolagrün von der Straße aus

Um das Leben in Carolagrün zu gewährleisten, waren neben ausreichendem Wohnraum für das Personal und deren Familien noch eigene Versorgungseinrichtungen erforderlich wie Heizhaus, Wäscherei, Großküche, Schlosserei, Tischlerei, Stallungen für Pferde und nicht zuletzt eine eigene Kläranlage.


Links ist das Verwaltungsgebäude mit Ärztewohnungen
in den Obergeschossen, rechts ist das Hauptgebäude der
Heilstätte Carolagrün

Das war Carolagrün! Hier fanden die Patientinnen alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abschluss ihrer Heilverfahren. Sie wurden vom Bahnhof mit der Pferdekutsche abgeholt. Es ging dann durch das Silberbachtal in die dicht bewaldete Gegend von Carolagrün, was allein schon von der Luft des Waldes her ein unvergessliches Erlebnis war. Im Wartezummer hing ein Holzschild, wo folgende Worte eingeschnitzt waren:

Das ist des deutschen Waldes Kraft,
dass er kein Siechtum leidet
und alles, was gebrestenhaft,
aus Leib und Seele scheidet.

Für die meisten Patientinnen begann damit ein ca. einjähriger Aufenthalt in der Waldeinsamkeit Carolagrüns, in welcher sich wohlfühlen konnten. 



Rückseite des Hauptgebäudes

Dr. med. Heinz Schaefer hatte seine Tätigkeit in Carolagrün im Jahr 1949 begonnen und war von 1953 bis 1961 der achte Ärztliche Leiter dieser Heilstätte, die vier Jahre nach weinem Weggang als Tbc-Heilstätte geschlossen wurde.

Nach seiner persönlichen Erfahrung mit der Tuberkulose hatte er die richtige Hand für die langwierige Erkrankung und besaß durch seine menschliche Nähe undsein Verständnis das absolute Vertrauen der Patienten. So ließ er die Patientinnen an den Weihnachtsfesten nicht allein, sondern setzte sich an den Flügel und spielte die alten Weihnachtslieder und sprach mit ihnen, denn für Frauen, die zu Weihnachten in der Heilstätte und nicht bei ihren Männern und Kindern sein konnten, war das eine sehr schwere Zeit.

Die Patientinnen dankten es ihrem Arzt und gratulierten ihm zum Geburtstag auf sehr persönliche Weise. Insgesamt waren es 184 Briefe und Dankschreiben, die Dr. Heinz Schaefer von Patientinnen und auch von deren Angehörigen erhalten hat.

Winter in Carolagrün

Arzt und Patientinnen lebten hier wie in einer großen Familie In guter Atmosphäre und bei einer positiven Einstellung der Patienten konnte die Therapie erfolgreich aufgebaut und auch konsequent durchgeführt werden. Die Grundlage der konservativen Behandlung waren ausgedehnte Liegekuren, vorwiegend in den Liegehallen im Wald, - auch im Winter.
Bei fortgeschrittener Tuberkulose wurde neben Chemotherapie ein chirurgisches Vorgehen erforderlich. So hat Dr. Schaefer in seiner gesamten Zeit in Carolagrün 328 Pneumothoraxanlagen, 286 Thorakokaustiken und 37 Phrenikus-Operationen durchgeführt.

Zugleich leitete Dr. med. Heinz Schaefer eine Tuberkuloseberatungsstelle des Kreises Aue, die in Carolagrün etabliert war, mit einem Einzugsgebiet von ca. 25.000 Einwohnern in vier Ortschaften. In diesem Rahmen wurde das gesamte Spektrum einer Tbc-Beratungsstelle von Röntgenkontrollen bis zu Pneumothorax-Nachfüllungen abgedeckt. Des weiteren führte Dr. Schaefer Sprechstunden für die Bevölkerung durch, ferner Schirmbild-Aktionen, BCG-Schutzimpfungen in den Schulen und die Überwachung silikosegefährdeter Bergarbeiter.


Carolagrün - tief verschneit

Carolagrün hatte somit nicht nur Bedeutung als Heilstätte, sondern auch als Zentrum der umfassenden Tuberkulosebekämpfung.

Als Dr. med. Schaefer sich 1961 als Ärztlicher Leiter der Heilstätte entschlossen hatte, Carolagrün nach 12 Jahren zu verlassen, um ein zweite Facharztausbildung zum Röntgenologen aufzunehmen, war das Bedauern von allen Seiten groß. Besonders schmerzlich aber war die Trennung von den Patientinnen, die ihm zum Abschied ein erzgebirgische Pyramide schenkten und einen Dankesbrief überreichten mit vielen guten Wünschen für den weiteren beruflichen und privaten Lebensweg, signiert mit 113 Unterschriften.


Die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge
als Abschiedsgeschenk für Dr. med Heinz Schaefer

Dr. Schaefer fiel es schwer, diese Heilstätte zu verlassen, aber letztendlich war die Entscheidung richtig gewesen, so viel Dank und Anerkennung er auch immer für seine verdienstvolle Tätigkeit erhalten hatte. Denn in der Kreisstadt Rathenow des Westhavellandes stellte er sich einer neuen Herausforderung und Verantwortung als Medizinalrat und Chefarzt der Zentral-Röntgenabteilung des Paracelsus-Krankenhauses von 1963 bis zum Erreichen der Altersgenze 1985.

Der Heilstättekomplex Carolagrün mit Kapelle

Carolagrün war ein guter Ort für Tuberkulosekranke nach dem Zweiten Weltkrieg 1939 -1945. Heute ist ein Heilbehandlung durch Medikamente das übliche Verfahren gegen Tuberkulose, die mit modernen Medikamenten schneller und wirksamer bekämpft werden kann. Die Menschenführung bei dieser sehr langwierigen Erkrankung war und ist aber nach wie vor ein wesentlicher Anteil der Therapie.

1965 wurde Carolagrün als Tbc-Heilstätte geschlossen.
1966 - 1995 war Carolagrün nach Übernahme von Patienten der kinderpsychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Rodewisch eine stationäre Einrichtung zur Förderung und Pflege geistig behinderter Kinder und Jugendlicher.
Ab 01.01.1996 diente Carolagrün der " Lebenhilfe Auerbach e.V." als Wohnheim und Wohnpflegeheim bis zum 30.06.2000.
Im Jahr 2000 endet die 100jährige Geschichte Carolagrüns als Tbc-Heilstätte, psychiatrisches Krankenhaus und Wohnheim. Während einige ehemalige Personalwohnungen neue Nutzer finden konnten, steht der Heilstättentrakt seither leer.
Unter Denkmalschutz sieht er einer ungewissen Zukunft entgegen.

 

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (11.01.2011) 

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Laudatio zum 90. Geburtstag von Dr. Heinz Schaefer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 14:03




Laudatio zum 90. Geburtstag von Med.-Rat. Dr. med. Heinz Schaefer am 11.01.2010
von Dr. Heinz-Walter Knackmuß

Geburtstagsgrüße der Patientinnen in Carolagrün: 11.01.1952 ( vor 58 Jahren)

Heute gratulieren wir unserem Herrn Dr. Schaefer zum Wiegenfeste
und sagen von Herzen das Allerbeste.
Als Arzt und Mensch helfen Sie uns ,um an
Leib und Seele zu gesunden,
das haben die Patienten ihrer Stationen
Wohltuend empfunden.
In aufrichtiger Verehrung danken wir
Ihnen dafür zu dieser Stunde
Und rufen wie aus einem Munde:
Das neue Lebensjahr bringe Ihnen vor
Allem Gesundheit und Wohlergehen.
Die Patienten der Heilstätte Carolagrün

Heinz Schaefer wurde am 11. Januar 1920 in Leipzig geboren. Seine Mutter, die aus einem alten Bauerngeschlecht in Markranstädt stammte, schickte ihn gern in den Ferien zu den Großeltern, wo er als Junge mit Stolz die schweren von Pferden gezogenen Erntewagen ganz allein kutschieren durfte. Heinz-Schaefer besuchte die Petrischule, ein Reformgymnasium, in Leipzig und legte am 7. März 1938 sein Abitur ab. Das war ein Jahr früher als üblich, weil der Krieg schon seine Schatten voraus warf. Wer bei der Wehrmacht angegeben hatte, Medizin studieren zu wollen, kam zurück nach Krefeld und zu einem Kurzlehrgang, wo medizinische Kenntnisse vermittelt wurden. Nach dem Lehrgang wurde er in ein Lazarett nach Brüssel versetzt. Da er sehr gut Französisch sprach, verbinden ihn mit der Brüsseler Lazarettzeit die schönsten Erinnerungen seiner Jugend. Er wurde dann an eine Studentenkompanie nach Leipzig abgeordnet, wo er am 12. April 1945 sein Staatsexamen als Mediziner ablegte. Professor Stöckel, ein noch heute berühmter Gynäkologe, prüfte die Studenten, als schon der Geschützdonner der Amerikaner in Leipzig deutlich zu hören war. Als die amerikanischen Soldaten in Leipzig eintrafen, arbeitete Heinz Schaefer in einem Reservelazarett.1948 brach bei ihm eine Tuberkulose aus, die ihn zwang, ein Jahr lang die Lungenheilstätte Bad Reiboldsgrün aufzusuchen. Als in der Nachbarheilstätte Carolagrün eine Arztstelle frei wurde, ging er am 1.9.1949 dorthin. Die Heilstätte war nach der sächsischen Königin Carola benannt worden. Sein Frau Erna Wuschko, die als Krankenschwester in Leipziger Kliniken gearbeitet hatte, folgte ihm nach der Hochzeit am 22.10.1949 in die Tbc-Heilstätte Carolagrün. Zur Hochzeit wünschte man sich von der bäuerlichen Verwandtschaft als Geschenk vier Hühner, einen Hahn und dazu Futter für ein Jahr. Am 1.10.1952 wurde Dr. Schaefer Facharzt für Lungenkrankheiten und leitender Arzt der Heilstätte Carolagrün. Er war dort gut in der Gemeinde integriert und hatte durch die persönliche Erfahrung mit der Tuberkulose eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Zu Weihnachten durften die Patientinnen nicht nach Haus. Der Pfarrer hielt in der kleinen Heilstättenkapelle einen Gottesdienst und hinterher hielt der leitende Chefarzt eine Weihnachtsansprache, wovon alle sagten: "Viel schöner als die vom Pfarrer." Dr. Schaefer setzte sich jeden Heiligabend an den Flügel und spielte zwei Stunden lang Weihnachtlieder zur Freude aller Patienten, deren Gedanken gerade an diesem Tag natürlich bei ihren Familien waren.

1952 wurde den Schaefers ihr erstes Kind geboren. Tochter Margit kam in Zwickau zur Welt und 1954 folgte der Sohn Frank-Ulrich nach. Die Kinder wuchsen in der herrlichen Gebirgsluft heran. Die Tuberkulose ging zurück und Dr. Heinz Schaefer überlegte mit seiner Frau doch noch eine zweite Facharztausbildung als Röntgenarzt zu beginnen.

Die Freizeit, die man gemeinsam auf dem Segelboot auf der Talsperre Pöhl bei Ölsnitz verbrachte, ließ die Annonce aus Rathenow verlockend erscheinen, denn Rathenow lag in einer Seen und waldreichen Umgebung. Dazu kam, dass Dr. Hamann der Vorgänger von Dr. Schaefer ein langjähriger Freund der Familie in Rathenow die Röntgenabteilung leitete. Trotz vieler Tränen in Carolagrün und einer wunderschönen Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk, suchte Familie Schaefer am 1.2.1961 in Rathenow in der Röntgenabteilung den Neubeginn. 1963 wurde Dr. Schaefer zum Chefarzt der Röntgenabteilung in Rathenow berufen und 1964 wurde die zweite Facharztprüfung für Röntgenologie abgelegt. In Rathenow bestand ein gutes Team unter der Renate Rehfeld, die ein vorzügliches Arbeiten gestattete.

Als 1985 der Ruhestand kam, wurde die Tätigkeit nicht abrupt unterbrochen, sondern es gab ein langsames Ausschleichen aus dem Beruf. Die Hobbys wie Segeln auf dem Semliner See , Fotografieren und das Wochenendhaus in Semlin füllten die Freizeit aus. Beruflich wurde ihm am 11.12.1974, dem damaligen Tag des Gesundheitswesens, der Titel Medizinalrat zuerkannt und damit seine medizinische Leistung auch in der DDR ( Deutschen Demokratischen Republik) gewürdigt.

Nach 1990 trat er der CDU bei und gründete am 28.11.1990 die Seniorenunion im Kreis Rathenow, deren Vorsitzender er ist. Als Schwerpunkte seiner Arbeit in der Seniorenunion sah er die Rentengerechtigkeit zwischen Ost und West an. Dazu führte er in Bonn viele Gespräche mit der CDU-Spitze. Ebenso lag ihm die Herstellung der inneren Einheit Deutschlands am Herzen. Sein Credo war dabei, dass diese Einheit nur in persönlichen Gesprächen der Menschen zwischen Ost und West zu erreichen ist. Auf anderem Wege werden die beiden deutschen Teile nicht zusammen wachsen. Jeden Monat einmal lud Medizinalrat Dr. Schaefer die Alten in der CDU zu einem interessanten Nachmittag mit Vorträgen, Gesprächen und Ausflügen ein. Zu seinem 85. Geburtstag wurde sein herausragendes ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement mit der Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Medaille geehrt. Medizinalrat Dr. Heinz Schaefer ist der erste Brandenburger, der diese Auszeichnung erhalten hat und der vierte Bürger in der gesamten Bundesrepublik.

Er ist trotz seines Alters ein quicklebendiger Mann, der sich für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Anderas-Kirche engagiert. Dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow trat er am 06.03.2000 bei. Mit seiner Frau zusammen hat er eine Vielzahl von Spenden für den Wiederaufbau des Gotteshauses gegeben. Dabei waren Geburtstage und familiäre Jubiläen für die Familie Schaefer immer Anlass statt Geschenke um eine Spende für den Wiederaufbau der Kirche von den Gratulanten zu erbitten. Dafür dankt der Förderkreis Med.-Rat Dr. Schaefer und seiner Gattin.


Heut zu ihrem Wiegenfeste
wünschen wir das allerbest.
Froh und heiter solln Sie weiter
in die nächsten Zeiten sehn,
immer mutig -nie verzweifelnd
an dem Arbeitsplatze stehn.
Denn das ist nun mal Ihr Leben>
Sie sind für die Menschen da:
die Ihnen das Vertraun gegeben
und in Ihnen den Retter sah.
Heute, wie in allen Zeiten
solln Sie jedem Vorbild sein
alle werden zu Ihnen kommen
Familie, Kranke, groß und klein.
Glück, Gesundheit, frohe Stunden,
Schaffenskraft und Wohlergehn,
wünschen wir von ganzem Herzen,
sollen Ihnen zur Seite stehn

Verbunden mit den besten Wünschen für
das neue Lebensjahr
ihre Patienten
von den Stationen I, II und III
in Carolagrün


Copyright Dr. Heinz-Walter Knackmuß (30.09.2016)


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Biografie von Med.-Rat Dr. med. Heinz Schaefer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 08:02



Med.-Rat Dr. med. Heinz Schaefer mit seiner Frau Erna

Heinz Schaefer wurde am 11. Januar 1920 in Leipzig geboren. Seine Mutter, die aus einem alten Bauerngeschlecht in Markranstädt stammte, schickte ihn gern in den Ferien zu den Großeltern, wo er als Junge mit Stolz die schweren von Pferden gezogenen Erntewagen ganz allein kutschieren durfte. Da sein Großvater väterlicherseits Lehrer und sein Vater Postbeamter waren, stand eine akademische Laufbahn außer Frage. Heinz-Schaefer besuchte die Petrischule, ein Reformgymnasium, in Leipzig und später die Ostwaldschule, wo er am 7. März 1938 sein Abitur ablegte. Das war ein Jahr früher als üblich, weil der Krieg schon seine Schatten voraus warf. Wer studieren wollte, musste vorher den Arbeitsdienst absolvieren. So ging es ein halbes Jahr nach Forst (Neiße). Danach musste Heinz Schaefer seinen Wehrdienst antreten, der sich durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges über sieben Jahre hinzog. Er war für das Infanterieregiment in Leipzig gemustert worden und wurde schon fünf Tage vor dem Beginn des Krieges gegen Polen mit seinem Regiment hinter die polnische Grenze beordert und sofort wieder zurück. Ab 1.9.1939 ging es dann erneut nach Polen, zuerst bis Lublin und dann bis zum Bug. Wer bei der Wehrmacht angegeben hatte, Medizin studieren zu wollen, kam zurück nach Krefeld und zu einem Kurzlehrgang, wo medizinische Kenntnisse vermittelt wurden. Nach dem Lehrgang wurde er in ein Lazarett nach Brüssel versetzt. Da er sehr gut Französisch sprach, verbinden ihn mit der Brüsseler Lazarettzeit die schönsten Erinnerungen seiner Jugend. Er wurde dann an eine Studentenkompanie nach Leipzig abgeordnet, wo er am 12. April 1945 sein Staatsexamen als Mediziner ablegte. Professor Stöckel, ein noch heute berühmter Gynäkologe, prüfte die Studenten, als schon der Geschützdonner der Amerikaner in Leipzig deutlich zu hören war. Als die amerikanischen Soldaten in Leipzig eintrafen, arbeitete Heinz Schaefer in einem Reservelazarett, was dann von den Russen übernommen wurde. Das Lazarett wurde mit kranken Russen vollgestopft. Viel von ihnen litten an Tuberkulose. Die russische Chefärztin meinte bei ihrer ersten Rede, der Krieg sei nun zu Ende und man habe das gemeinsame Ziel, die Patienten gesund zu machen. Heinz Schaefer wollte Chirurg werden und ging nach Leipzig-Dösen.
1948 brach bei ihm eine Tuberkulose aus, die ihn zwang, ein Jahr lang die Lungenheilstätte Bad Reiboldsgrün aufzusuchen. Als in der Nachbarheilstätte Carolagrün eine Arztstelle frei wurde, ging er am 1.9.1949 dorthin. Die Heilstätte war nach der sächsischen Königin Carola benannt worden. Sein Frau Erna Wuschko, die als Krankenschwester in Leipziger Kliniken gearbeitet hatte, folgte ihm nach der Hochzeit am 22.10.1949 in die Tbc-Heilstätte Carolagrün. Zur Hochzeit wünschte man sich von der bäuerlichen Verwandtschaft als Geschenk vier Hühner und einen Hahn und dazu Futter für ein Jahr. Der Hühnerstall mit den sehr herzlich begrüßten Hühnern in dem wunderschönen von dichten Bäumen eingeschlossenen Erzgebirgsort Carolagrün war fast vor der kompletten Wohnungseinrichtung fertig und half über die schweren Notzeiten hinweg. Am 1.10.1952 wurde Dr. Schaefer Facharzt für Lungenkrankheiten und leitender Arzt der Heilstätte Carolagrün.


Chefärzte in Carolagrün

Er war dort gut in der Gemeinde integriert und hatte durch die persönliche Erfahrung mit der Tuberkulose eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Zu Weihnachten durften die Patienten nicht nach Haus. Der Pfarrer hielt in der kleinen Heilstättenkapelle einen Gottesdienst und hinterher hielt der leitende Chefarzt eine Weihnachtsansprache, wovon alle sagten: "Viel schöner als die vom Pfarrer." Dr. Schaefer setzte sich jeden Heiligabend an den Flügel und spielte zwei Stunden lang Weihnachtlieder zur Freude aller Patienten, deren Gedanken gerade an diesem Tag natürlich zu Hause waren.

Engelschor als Erinnerung aus der Zeit in Carolagrün

1952 wurde den Schaefers ihr erstes Kind geboren. Tochter Margit kam in Zwickau zur Welt und 1954 folgte der Sohn Frank-Ulrich nach. Die Kinder wuchsen in der herrlichen Gebirgsluft heran. Der Schulweg durch den grünen Wald betrug 2 km. Die Tuberkulose ging zurück und Dr. Heinz Schaefer überlegte mit seiner Frau doch noch eine zweite Facharztausbildung als Röntgenarzt zu beginnen.
Die Freizeit, die man gemeinsam auf dem Segelboot auf der Talsperre Pirk bei Ölsnitz verbrachte, ließ die Annonce aus Rathenow verlockend erscheinen, denn Rathenow lag in einer Seen und waldreichen Umgebung. Dazu kam, dass Dr. Hamann der Vorgänger von Dr. Schaefer ein langjähriger Freund der Familie in Rathenow die Röntgenabteilung leitete. Trotz des lukrativen Einzelvertrages in Sachsen und vieler Tränen in Carolagrün und einer wunderschönen Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk, suchte Familie Schaefer am 1.2.1961 in Rathenow in der Röntgenabteilung den Neubeginn.

Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk aus Carolagrün

1963 wurde Dr. Schaefer zum Chefarzt der Röntgenabteilung in Rathenow berufen und 1964 wurde die zweite Facharztprüfung für Röntgenologie abgelegt. In Rathenow bestand ein gutes Team unter der Renate Rehfeld, die ein vorzügliches Arbeiten gestattete.
Als 1985 der Ruhestand kam, wurde die Tätigkeit nicht abrupt unterbrochen, sondern es gab ein langsames Ausschleichen aus dem Beruf. Die Hobbys wie Segeln auf dem Semliner See , Fotografieren und das Wochenendhaus in Semlin füllten die Freizeit aus. Beruflich wurde ihm am 11.12.1974, dem damaligen Tag des Gesundheitswesens, der Titel Medizinalrat zuerkannt und damit seine medizinische Leistung auch in der DDR ( Deutschen Demokratischen Republik) gewürdigt.
Nach 1990 trat er der CDU bei und gründete am 28.11.1990 die Seniorenunion im Kreis Rathenow, deren Vorsitzender er ist. Als Schwerpunkte seiner Arbeit in der Seniorenunion sah er die Rentengerechtigkeit zwischen Ost und West an. Dazu führte er in Bonn viele Gespräche mit der CDU-Spitze. Ebenso lag ihm die Herstellung der inneren Einheit Deutschlands am Herzen. Sein Credo war dabei, dass diese Einheit nur in persönlichen Gesprächen der Menschen zwischen Ost und West zu erreichen ist. Auf anderem Wege werden die beiden deutschen Teile nicht zusammen wachsen. Jeden Monat einmal lud Medizinalrat Dr. Schaefer die Alten in der CDU zu einem interessanten Nachmittag mit Vorträgen, Gesprächen und Ausflügen ein. Zu seinem 85. Geburtstag wurde sein herausragendes ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement mit der Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Medaille geehrt. Medizinalrat Dr. Heinz Schaefer ist der erste Brandenburger, der diese Auszeichnung erhalten hat und der vierte Bürger in der gesamten Bundesrepublik.
Er ist trotz seines Alters ein quicklebendiger Mann, der sich für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Anderas-Kirche engagiert, aber auch für den Volksbund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und wie kann es anders sein als Segelbegeisterter ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Seine weiteren Interessen gelten dem Deutschen Roten Kreuz, dem Weißen Ring , dem Schutz bedrohter Arten und hauptsächlich auf Betreiben seiner Frau den SOS-Kinderdörfern. Dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow trat er am 06.03.2000 bei. Mit seiner Frau zusammen hat er eine Vielzahl von Spenden für den Wiederaufbau des Gotteshauses gegeben. Dabei waren Geburtstage und familiäre Jubiläen für die Familie Schaefer immer Anlass statt Geschenke um eine Spende für den Wiederaufbau der Kirche von den Gratulanten zu erbitten. Dafür dankt der Förderkreis Med.-Rat Dr. Schaefer und seiner Gattin.
Seine zwei erwachsenen Enkelsöhne und noch aufzuarbeitendes Archivmaterial haben seine Zeit neben der Familie in Anspruch genommen. Er war immer mit vielen Arbeiten beschäftigt bis ihn am  29.12.2010 Gott  kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres in seine ewige Herrlichkeit zu sich nahm.

Carolagrün – Erinnerungen

Laudatio zum 90. Geburtstag

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (Überarbeitung 30.09.2016)










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Biografie von Wolfgang Gruner

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 00:21

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Der Förderkreis dankt dem Hotel Fürstenhof in Rathenow für die freundliche Überlassung des Originalfotos.
Wolfgang Gruner gilt als das Berliner Original der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Er wurde am 20.09.1926 in Rathenow geboren. Die Familie wohnte in Rathenow in der Ruppiner Str. /Ecke Curlandstr., im Haus Ruppiner Straße 10 (nach Angaben von Werner Vogel, Bonn).  Er verlebte seine Kindheit in Rathenow und besuchte in Rathenow die Mittelschule. Danach begann er eine Lehre als Steuerinspektor bei der Finanzverwaltung der Stadt Rathenow. Die Lehre wurde durch den Zweiten Weltkrieg vorzeitig beendet und mit einer Notprüfung abgeschlossen. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er kam in russische Kriegsgefangenschaft und hatte da Berührung mit dem Theater bekommen und begann nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1950 in Berlin eine Schauspielausbildung bei Marliese Ludwig. Noch während der Schauspielausbildung spielte er schon in zwei Stücken an der Berliner Volksbühne mit. Seine Schauspielausbildung verdiente er sich durch Hilfsarbeiten im Berliner Gemüsegroßhandel. 1951 trat er  als Kabarettist im Berliner Kabarett " Die Fliegenpilze" auf und wurde  später berühmt als Mitglied des Kabaretts " Die Stachelschweine", dem er als Kabarettist und Regisseur bis zu seinem Tode treu blieb. Bundesweit bekannt wurde er durch  die ZDF-Show " Der große Preis". Hier trat er als Fritze Flink auf. Die Berliner Abendschauzuschauer kannten ihn auch als Straßenkehrer " Otto Schruppke". Er spielte in verschiedenen Kino- und Fernsehfilmen mit. Seiner Heimatstadt Rathenow war er zeitlebens herzlich verbunden. Zuerst war es seine Mutter, die noch in Rathenow lebte und dann hatte er in Rathenow Schulfreunde, mit denen er verbunden war. Nach der Einheit Deutschlands 1990 nahm er an den Klassentreffen in Rathenow teil. Als leidenschaftlicher Fußballer kam er regelmäßig zu Fußballspielen von Berliner Fußballvereinen gegen FSV Optik Rathenow im Stadion Vogelgesang nach Rathenow. Am 22.05.1992 trat unter seiner Leitung das Kabarett " Die Stachelschweine" im Kulturhaus Rathenow auf. Den Erlös spendete er für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Am 05.09.2001 war er im Hotel "Fürstenhof" zu Gast und beobachtete interessiert, wie der Hubschrauber der Bundeswehr versuchte, die Spitze auf den Turm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche aufzusetzen.  Für den Wiederaufbau des Turms spendete er die Kupferplatte Nr. 72 (125,00 €). Er trat am 30.01.1997 dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei. Er wollte damit auch ein Zeichen für den Neuanfang in seiner Heimatstadt und deren Kirche setzen. In dieser Kirche war er getauft und konfirmiert worden. Am 16. März 2002 starb er im Alter von 75 Jahren in Berlin.

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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