Biografie von Ursula Beer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 10. Januar 2011 04:22

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Ursula Beer, geborenen Noetzel, wurde am 06.08.1927 in Woitekaten, Kreis Pillkallen, in Ostpreußen geboren. Ihr Vater Otto Noetzel, war Bauunternehmer. Ihre Mutter, Anna, Maria Noetzel, geborenen Siemokat, war Hausfrau und stammte aus dem Memelland. Ihre vier Geschwister Kurt, Berta, Lieselotte und Erika verstarben im frühen Kindesalter. Ursula Beer besuchte die Volksschule (1.-8.Klasse) in Tulpeningken. 1942 wurde sie in Lasdenen von Pfarrer Erich Sack konfirmiert. Pfarrer Erich Sack wurde im Konzentrationslager (KZ), einem der vielen Vernichtungslager der Nazis, ermordet, weil er sich gegen die Judenverfolgung eingesetzt hatte. Ursula Beer besuchte ab 1943 die Aufbauschule in Ragnit, erkrankte aber in dieser Zeit schwer an eine Infektionskrankheit, sodass sie nicht mehr laufen konnte.



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Pilkallen östlich von Königsberg gelegen war die Kreisstadt

Die Eltern von Ursula Beer sind beide auf der Flucht ums Leben gekommen. Der Vater wurde 1945 auf dem Treck von sowjetischen Beschuss getroffen und verblutete, die Mutter kam 1947 in einem Lager bei Gumbinnen ums Leben. Sie war sehr krank und arbeitsunfähig; es gab kaum etwas zu essen, sodass sie den Freitod  wählte. Mit einem der letzten Züge wurde Ursula Beer evakuiert und kam nach Stollberg im Erzgebirge, wo sie ein Hals-, Nasen- und Ohrenarzt heilte. Sie lebte dort in einem Lager und besuchte die Oberschule in Stollberg. Sie wurde dann von einer Beamtenfamilie aufgenommen und wohnte auf dem Wischberg Schloß Hoheneck, wo sich ein Frauengefängnis befand. 1945 musste sie Stollberg verlassen und kam nach Mühlhausen in Thüringen, wo sie zunächst wieder in einem Lager wohnte, bis sie bei einer  Witwe eines Papierwarenhändlers als Pflegetochter aufgenommen wurde. Sie ging in Mühlhausen weiter zur Oberschule und legte dort 1948 ihr Abitur ab. Nach dem Abitur studierte sie Theologie in Jena und Leipzig. Nach dem Examen nahm sie am Sozialunterricht im Berliner Johannisstift in Spandau teil und  absolvierte dann ein halbes Jahr ein Lehrvikariat in Letschin im Oderbruch. Hier kam sie bald zu der Auffassung, dass der Beruf einer Pfarrerin doch nichts für wie war. Sie ging jedoch nochmals ein halbes Jahr lang zu einem  Lehrvikariat im Klosterstift zum Heilgengrabe bei der Äbtissin Ingeborg-Maria Freiin von Werthern. Hier erteilte sie Konfirmandenunterricht und leitete die Gottesdienste. Anschließend arbeitete sie  im Burghardthaus in Berlin und 10 Jahre lang als freie Mitarbeiterin bei der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin (EVA-Berlin). Dann nahm sie die Arbeit im Kinderheim "Gottesschutz"  für schwer erziehbare Kinder in Erkner auf, wo sie sehr gut mit den Kindern zurecht kam. Es kam aber über ihre Erziehungsmethoden zu Auseinandersetzungen mit der leitenden Mitarbeiterin, sodass sie kurzerhand eine Arbeit bei der Post aufnahm und hier auch ihren Facharbeiter für Postverkehr ablegte. Sie arbeitete in Erkner acht Jahre lang bei der Post und fühlte sich dabei sehr wohl. Nebenher war sie immer freiberuflich in der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin tätig. 1967 lernte sie Reinhold Beer aus Rathenow kennen und heirate ihn am 06.05.1967. Reinhold Beer war sehr krank und war nach dem frühen Tode seiner ersten Frau seelisch angeschlagen. Mit den zwei Söhnen von Reinhold Beer kam Ursula Beer sehr gut zurecht. Es war viel Arbeit im Haushalt und in der Familie, aber es waren auch sehr glückliche Jahre. Sie führte den Haushalt und kümmerte sich um die Familie und bewirtschaftete mit Leidenschaft einen kleinen Garten. Sie war als Lektorin in der Kirche tätig und nähte viel für die Kinder, denn Nähen, Sticken und Stricken war ihr zweites Hobby neben der Gartenarbeit. Mit ihrem Mann unternahm sie viele Reisen, die sie fast zu allen Kontinente dieser Erde führte. Als ihr Mann an Blutkrebs erkrankte pflegte sie ihn aufopferungsvoll bis zu seinem Tode am 25.06.2008. Sie wollte mithelfen am Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ihrer neuen Heimatstadt. So spendete sie 250 DM (125,00 €) für die Kupferplatte Nr. 47 der Turmspitze im Jahr 1999 und trat  am 01.01.2009 dem Förderkreis bei.


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