Biografie von Peter Kurth

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 20. Januar 2011 12:56

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Peter Kurth äußerte sich zu diesem Bild einmal folgendermaßen:

„Interessant und für mich bedeutsam ist die Uhr hinter mir. Vor über 100 Jahren bekam sie mein Großvater von seinem Schwiegervater zur Hochzeit geschenkt. Als Kind erlebte ich, wie mein Großvater seine geliebte Uhr sorgsam Woche für Woche aufzog und wie wir dann gemeinsam dem tiefen, feierlichen Stundenschlag lauschten.  `Das  Schlagen macht sowohl auf Vergangenes als auch auf Zukünftiges aufmerksam´, belehrte mich mein Großvater.

Heute kommt es mir so vor, als hätte das Schlagen der Uhr zu meiner Kindheit  etwas anders geklungen. Aber ich weiß natürlich, dass es nicht die Uhr ist, die sich verändert hat. Auch meine Enkel, so hoffe ich, werden die Uhr noch wertschätzen und behüten. Aber sie werden den Stundenschlag, der auf Vergangenes und Zukünftiges aufmerksam macht, wieder anders hören.“

Peter Kurth wurde 1940 in Rathenow geboren. Schon seine Eltern und Großeltern waren Bürger unserer Stadt; sie hatten hier auch schon kirchlich geheiratet. Peter Kurth wurde in der Lutherkirche konfirmiert, seine Goldene Konfirmation erlebte er dann in der St.-Marien-Andreas-Kirche. Die Bindung der Familie Kurth zu unserer Stadt und ihren Kirchen währt also auch schon über 100 Jahre!

Der Großvater und der Vater waren Schlosser, die Mutter war Damenschneidermeisterin. Der Sohn Peter erlernte zunächst ebenfalls einen handwerklichen Beruf in der Rathenower „Kesselschmiede“.

Damals begann man in den Schulen mit dem polytechnischen Unterricht. Als junger Facharbeiter betreute Peter Kurth Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, die an einem Tag in der Woche in einem speziellen Unterricht praktische Erfahrungen in der industriellen Produktion sammeln sollten. Diese interessante Aufgabe weckte dann den Wunsch, Pädagogik zu studieren.

Das Studium begann ausgerechnet im September 1961, wenige Wochen nach dem Mauerbau in Berlin. Diese Zeit war für einen Studenten geprägt von  ideologischem Druck. Peter Kurth erinnert sich:

„Das nun eingemauerte Westberlin war mir in den Jahren davor vertraut geworden. Ich kannte nicht nur Gesundbrunnen und den Kurfürstendamm, sondern auch den Funkturm, den Großen Stern, die Siegessäule, das Hansaviertel, die Kongresshalle, einige Museen …  Und nun wurden wir Studenten in einem Fahnenappell  verpflichtet, den Sozialismus, wenn nötig, an jedem Ort der Welt mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Und ich hörte den bestellten Jubel  rings um mich herum. Bei allem Frust, der damals natürlich nicht nur mich belastete, das Studium der Fächer Deutsch und Geschichte  war spannend und machte Freude. Sicherheit gab mir auch die abgeschlossene Berufsausbildung: Wäre mir die Studienzeit unerträglich geworden, hätte ich wieder in meinen alten Beruf gehen können.“

Dazu kam es nicht. Nach dem Studienabschluss und einigen Dienstjahren in einem Dorf kehrte Peter Kurth zurück in seinen Heimatort Rathenow. Er heiratete, kaufte ein altes Haus und baute es über viele Jahre mühevoll aus.

Peter Kurth war nie Mitglied einer Partei. Er suchte und fand aber immer Möglichkeiten, über seine berufliche Arbeit hinaus tätig zu sein. Zur „Wendezeit“ nahm er an Aktionen des Neuen Forums teil, wollte aber seine Unabhängigkeit bewahren und wurde kein „eingeschriebenes“ Mitglied.

Seine Frau war vorher in Greifswald beheimatet. Im Urlaub sind beide oft in ihrem kleinen Boot mit der Tochter auf den nordöstlichen Boddengewässern gesegelt. Als dann in den 90.Jahren dort ein Sozialverein ein großes altes Segelschiff rekonstruierte und in Betrieb nahm, um mit Charterfahrten eine außergewöhnlich interessante Sozialarbeit zu ermöglichen, wurde Peter Kurth dort aktives Mitglied. (www.sozialarbeit-Vorpommern.de)

Seit vielen Jahren ist er auch schon Mitglied unseres Förderkreises. Wie es dazu kam, drückt er so aus:

„Es ist dem geduldigen und ermunternden Bemühen unseres Vorsitzenden, Herrn Dr. Heinz-Walter Knackmuß, zu verdanken, dass ich nach einiger Zeit des Mitwirkens einen Aufnahmeantrag ausfüllte und ordentliches Mitglied wurde!“

Mittlerweile ermuntert er selbst andere, unserem Förderkreis beizutreten: „Jeder ist willkommen, in einer ihm gemäßen Weise bei uns mitzuwirken! Ich bin ein Beispiel dafür: Niemand wird zu irgendetwas gedrängt; keiner wird vereinnahmt!“

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Schatzmeisterin Gisela Rosenberg (links) mit
Peter und Margrit Kurth
Peter  Kurth hat zu seinem 60. Geburtstag ein
hölzernes Kirchenmodell mit Turmstumpf gebaut.
Für die Spenden zum Wiederaufbau anlässlich
seines 60. Geburtstages erhielt eine
Stifterehrenplatte in Kupfer.

 

Zu seinem 60. Geburtstag hat er (wie viele andere) seine Gratulanten gebeten, für unsere Kirche zu spenden. Dazu baute er ein Kirchenmodell mit einem goldumrandeten Schlitz für das Spendengeld. Diese „Kurthsche Kirche“ steht nun schon jahrelang auf dem Tisch unseres Verkaufsstandes in der St.-Marien-Andreas-Kirche. Besucher aus nah und fern haben dort ihre oft großzügigen Spenden eingeworfen – und werden es hoffentlich auch weiterhin tun.

Peter Kurth übernimmt auch Kirchenführungen. Er hat ja als Kind das Ende des Krieges und die Zerstörung unserer Kirche miterleben müssen. So sind seine Darlegungen auch mit sehr persönlichen Anmerkungen „gewürzt“.

In den letzten Jahren hat der ehemalige Deutsch- und Geschichtslehrer „im Unruhestand“ einige Texte verfasst, auf die wir hier aufmerksam machen möchten.

1. „Pilgern zu Arminius“  Hier schildert der Autor, wie er Gedenkstätten zur Schlacht im Teutoburger Wald besucht hat und wie dieses Ereignis aus vorchristlicher Zeit bis in unsere Gegenwart hineinwirkt.

2. Die Zweite Pilgerreise  Hier berichtet Peter Kurth, wie er Wirkungsstätten von Lessing und Goethe in den alten Bundesländern erlebt hat und was er in Mainzer Kirchen, im ehemaligen Bonner Regierungs-Atom-Bunker, im ehemaligen Wohnhaus Adenauers und an manchen anderen Orten gesehen und bedacht hat.

3. “Novembergedanken“  Hier schildert der inzwischen Siebzigjährige, wie er an einem Totensonntag (Ewigkeitssonntag) über unseren Friedhof geht, Vergangenes betrachtet, an seine Lebensstationen erinnert wird und Zukünftiges bedenkt.

4. Mittelstraße 33 alles Asche –Buchtitel von Peter Kurth über seine Kindheit mit Flucht
    aus Rathenow und Rückkehr in eine zerstörte Stadt 1945

Diese Texte sprechen Probleme an, die mit unseren Anliegen im Förderkreis korrespondieren. (Wer sie lesen will, kann sie „anklicken“) Wir bauen unsere jahrhundertealte Kirche Schritt für Schritt wieder auf. Sie ist es uns wert, sie ist ein einzigartiger Zeuge unserer freudvollen, viel mehr noch unserer leidvollen Vergangenheit.  Sie repräsentiert Werte, Erfahrungen, Beständigkeit, Harmonie. Sie zeugt von unerschütterlichem Glauben. Sie ist Heimstatt für Christen und will für Interessierte weit offen sein.

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Das Kirchenmodell, dass er im Jahr 2000 zu seinem 60. Geburtstag als Torso geschaffen hatte, konnte er 2002, nachdem der Kirchturm wieder komplett aufgebaut worden ist, ergänzen. Nun steht es in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und dient nach wie vor als Sammelbüchse für den Wiederaufbau der Kirche.

Auch unsere Kirchenglocken machen mit feierlichem Klang auf Vergangenes und Zukünftiges aufmerksam.  Unsere Nachfahren werden wie wir immer wieder Vergangenheit und Gegenwart fragend betrachten, um Antworten für die Zukunft zu finden. Wir glauben: Es lohnt sich, ideenreich auf vielfältige Weise in unserem Förderkreis dazu beizutragen, dass  das Leben als sinnerfüllt und lebenswert empfunden werden kann.

2014 bildete Peter kurth mit Dr. Heinz-Walter  Knackmuß Kirchenführer für die Bundesgartenschau 2015 in Rathenow  aus. Am 7.01.2015 machte er für die Bugakircheführer die erste Probeführung in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.

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Nachdem 2014 die Kirchenführer für die Bundesgartenschau ausgebildet wurden, begann die Gruppe am 07.01.2015 mit den Probeführungen. Peter Kurth aus Rathenow machte den Anfang und begann vor dem Eingangsportal der Sankt-Marien-Andreas-Kirche mit seiner gut einstündigen Führung durch die Kirche, wobei er auch die Geschichte der Optik kurz mit einfließen ließ, denn Rathenow, die Stadt der Optik, ist durch den Pfarrer Johann Heinrich August Duncker eng verbunden mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Eine Stunde, so wurde abschließend von den Kirchenführern festgestellt, ist doch recht knapp, um alle Kunstschätze in der Kirche etwas zu erläutern. Wenn man den Turm noch bei der Bundesgartenschau als Vorzeigeobjekt dazu nähme, sind zwei Stunden im Nu um. Deshalb wird es wohl ratsam sein, wenn man für den Turm mit seiner Dauerausstellung „Farben in den Religionen“ und den Glocken extra Führungen anbietet. Bei schönem Wetter entschädigt die herrliche Aussicht über das Havelland viele Besucher nach ihrem Aufstieg. Der Turm wird aber 2015 vom 13.06.- 23.08. Konkurrenz bekommen, denn ein mobiler Aussichtsturm wird dann die Besucher auf dem BUGA-Gelände anlocken. Und ein Fahrstuhl wird hoffentlich auch den Behinderten den lang ersehnten Blick über das Havelland erlauben. Anmeldungen für die Kirchenführungen zur BUGA nimmt der Förderkreis schon jetzt unter der Telefonnummer 03385-5200224 entgegen. Die Besuchergruppen können sich aber auch im Kirchenbüro anmelden 03385-512390. Die nächste Probeführung durch die Kirche wurde für Donnerstag, den 22.01.2015, um 10:00 Uhr vereinbart.

 

1. Turmeingang- Video

2. Kirchenschiff – Video

 

 

3. Chorraum  – Video

 


4. Gotischer Marienaltar – Video 

5. Stadtmodell – Video


6. Der junge Joseph - Video      

 

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