Biografie von Jürgen Baruth

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 31. Januar 2011 01:43

 

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Kurz vor Kriegsausbruch am 15.05.1939 in der Friedenstraße in Senftenberg (Niederlausitz) geboren, wuchs ich nach Kriegsende unter der Obhut meiner Großmutter zwischen Altstädtischem Rathaus und Plauer Torturm in Brandenburg an der Havel auf. Meine Eltern waren in NKWD-Lagern

gestorben. NKWD ist eine russische Bezeichnung für Lager der sowjetischen politischen Geheimpolizei. Einige Personen waren in dieser Zeit für meine Entwicklung besonders wichtig: ein befreundeter Pfarrerssohn, der mich mit "Kirche" in Berührung brachte, und ein ungemein vielseitiger Mechanikermeister in der Nachbarschaft, der vor keinem Problem kapitulierte und mich mit seinem Intellekt und seinen konstruktiven Fähigkeiten faszinierte. Er war es auch, der mir im Jahre 1953 eine Lehrstelle in der Kfz-Elektrik - damals Traum eines jeden Jungen meiner Generation - vermitteln konnte und nach dem Tod meiner Großmutter noch im 1. Lehrjahr die Vormundschaft für mich übernahm. So bin ich ein Handwerker geworden und bin es bis heute geblieben. Und dann war da die andere Brücke, die mir mein Freund über die Junge Gemeinde zum Glauben und zur Kirche gebaut hatte. Mein Respekt vor den Pastoren in Brandenburg war groß, und nie hätte ich daran gedacht, selbst einmal Pfarrer zu werden. Aber es sollte anders kommen. Und ich war ja nur einer aus einer ganzen Reihe von jungen Männern, die damals in den 50er Jahren ermutigt und gewonnen wurden, sich aus der beruflichen Praxis auf einen langen Weg zu begeben und über das Kirchliche Oberseminar in Potsdam - Hermannswerder und das Theologiestudium in den kirchlichen Dienst zu gehen. Während des Studiums habe ich Gudrun Glatz, Germanistin und Pädagogin, geheiratet. So schienen wir für unsere erste Pfarrstelle in Glienicke am Scharmützelsee ganz gut "gerüstet", alles das anzupacken, was uns vor die Füße gelegt wurde: Gemeindeaufbau wie Gebäudesanierungen, und wir fanden für alle unsere Aufgaben in den zwei großen Dorfgemeinden wunderbare Partner. Im Herbst 1980 wechselten wir zur Stadtgemeinde Rathenow, manches war leichter, anderes komplizierter. Neue Anregungen und neue Anforderungen. Da war vieles, was äußerlich marode war, aber auch der Wille, nicht zu kapitulieren und immer Lösungen zu finden. Vielerlei Herausforderungen auch für meine "Handwerkerseele". Und wieder gab es eine ganze Reihe großartiger Menschen, die sich mit ihrem Glauben und ihrer Treue, mit ihren Gaben und Kenntnissen und mit ihrer Kraft einbrachten, die mit am gleichen Strang zogen und dazu beitrugen, dass vieles gelingen konnte. Dennoch erinnere ich mich, wie ich Anfang der achtziger Jahre nach einem besonders heftigen Sturm ziemlich niedergeschlagen wieder einmal auf dem Dach der St. Marien - Andreas - Kirche hockte und bangte, dass die "Reserven" nicht mehr reichen könnten, die vielen Löcher zu schließen, und dann glücklich erlebte, dass es am Ende doch wieder einmal gereicht hatte - fast wie bei der wunderbaren Brotvermehrung!

Das aber hätte ich in jenen Jahren doch nie zu träumen gewagt, dass solches "Flickwerk" einmal aufhören und St. Marien - Andreas wieder in vollem Glanz erstrahlen könnte. Das "Wunder der Wende" war die Voraussetzung dafür, doch dass ein immer umfangreicher werdender Kreis von "Begeisterten" sich mit einem so enormem Engagement und so großem finanziellen Einsatz für die Vollendung der großen Aufgabe einsetzt, ist für eine Stadt von der Größe Rathenows und für die Christen in dieser Stadt kein geringeres Wunder.

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Jürgen Baruth im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Dr. Manfred Stolpe
am 13.07.1997 nach dem Zeltgottesdienst in Rathenow

Pfarrer Jürgen Baruth war von 1980 -1997 in Rathenow  tätig. Vom 20.03.1993 - 31.12.1997 war er Chef der Bruderschaftlichen Leitung (quasi Superintendent) des Kirchenkreises Rathenow. Er ist ein Gründungsmitglied des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V.

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