Biografie von Heinz Stilcke

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 14. Januar 2011 07:20


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Heinz, Wilhelm, Otto Stilcke wurde am 11.03.1925 im Krankenhaus in Rathenow geboren. Aufgewachsen ist er in der Steinstraße 29 (schräg gegenüber der Altstädtischen Apotheke). Sein Vater Erich Stilcke war Schlossermeister in Rathenow und seine Mutter Luise, Adelheid Stilcke, geborene Laabs, stammte von einem Bauernhof in Pommern. Heinz Stilcke wurde in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow von Superintendent Georg Heimerdinger getauft und konfirmiert. Die 1-4. Klasse besuchte in der Bausschule in der Baustrasse. Neben der Schule hatte er Klavierunterricht bei Fräulein Margarethe Duchrow, der Schwester des Reißverschlussfabrikanten Hermann Duchrow. Die Mittelschule (5.-10.Klasse) absolvierte er in der Jahnschule.
1941 begann er eine Lehre als Kunst- und Bauschlosser im väterlichen Betrieb. Während der Lehre besuchte er im Winterhalbjahr die Meisterschule der Reichshauptstadt Berlin für das Kunsthandwerk.  Das war die schönste Zeit seines Lebens, denn er wohnte bei einem Onkel in Berlin-Köpenick und später in Berlin-Spandau. Jede Woche einmal ging er ins Theater und sah solche Berühmtheiten wie Heinz Rühmann, Johannes Heesters, Fritz Kampas, Wilhelm Bendow, Gustav Fröhlich und Werner Fink. Gustav Fröhlich wohnte auf einer Insel in der Havel, wo auch Goebbels wohnte. Da viele Veranstaltungen von den Nazis verboten wurden, sagte Werner Fink, der bekannte Kabarettist, einmal auf der Bühne: "Gestern hatten wir zu, weil wir zu offen waren. Wenn wir heute wieder zu offen sind, haben wir morgen wieder zu." Er hörte auch von einer Geschichte über Gustav Fröhlichs Frau, die ein Techtelmechtel mit Goebbels hatte, worauf  Fröhlich Goebbels eine Ohrfeige gegeben haben soll. Er sagte daraufhin in einer Vorstellung: " Ich möchte auch mal "Fröhlich" sein."
Diese schöne Lehrzeit wurde 1943 jäh durch die Einberufung zum Arbeitsdienst unterbrochen. Heinz Stilcke durfte 1943 nur kurz noch einmal nach Haus, um die Gesellenprüfung abzulegen. Ansonsten musste er, weil er mit 16 Jahren schon einen Führerschein besaß, nach Danzig-Oliva zur Grundausbildung und danach ging es nach Pernau in Estland, wo er ein 3/4 Jahr bleiben musste. Den SS-Werbeaktionen entging er glücklicherweise, weil er zufällig da immer nicht anwesend war. Im Herbst 1943 kam er zu den Eisenbahnpionieren nach Fürstenwalde, wo er bis Mai 1944 blieb. Nach dieser Zeit kam er mit den Eisenbahnpionieren nach Russland und wurde erst im Herbst 1944 für drei Monate an die Unteroffiziersschule in Arys-Süd in Ostpreußen abgestellt. Am 22.02.1945 wurde er durch einen Granatsplitter an der linken Hand verwundet. Mit dieser Verletzung kam er über das Frische Haff nach Pillau und wurde von dort mit dem Schiff nach Danzig gebracht. Von Danzig ging es mit einem Lazarettzug, immer die Frontlinie im Nacken, nach Langensalza in Thüringen, wo eine konservative Behandlung der Wunde erfolgte. Von Langensalza wurde er verlegt nach Rathenow und war im Lazarett in der Schleusenschule. Er sollte dann erneut nach Perleberg in den Krieg ziehen, kam aber wegen Überfüllung des Transportzuges nicht mit und fand in Templin wieder Kontakt zu seiner alten Eisenbahnpioniereinheit, mit der er nach Gadebusch fuhr, wo er in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Er floh über die Elbe nach Nahrstedt bei Stendal und nochmals bei Arneburg über die Elbe und wollte nach Rathenow, als er in russische Gefangenschaft geriet und nach Kleinbuckow gebracht wurde. Hier wurde er mit einem wohlmeinenden Dolmetscher verhört, der statt des Geburtsjahrs 1925  1929 übersetzte. Durch diesen Glücksfall gingen die russischen Offiziere davon aus, dass er gar nicht Soldat gewesen war und entließen ihn wegen seiner Jugend nach Haus. Am 17.05.1945 kam er zeitgleich mit seinen Eltern, die nach Rehberg geflohen waren, in Rathenow an. Das Wohnhaus in der Steinstraße war zerstört, nur das Hinterhaus, Wasserpforte 3, war teilweise noch bewohnbar. Die Schlosserei und die Wohnung in der Steinstrasse 29 wurden wieder hergerichtet. Dokumente und Sachen waren vor dem Einfall der Russen in eine Grube verbracht worden, die mit einer Betonplatte verschlossen war. Ein paar Monate nach der Rückkehr wurde die Betonplatte wieder geöffnet. Alle Sachen waren vermodert, nur die Dokumente, in Ölpapier eingewickelt, hatte die Zeit überdauert und konnten zum 200jährigen Geschäftsjubiläum in der Chronik verwendet werden.
Heinz Stilcke bereitete sich nun bei dem Diplom-Ingenieur Heinz Gramm auf die Meisterprüfung vor und bestand am 10.05.1951 in Potsdam die Meisterprüfung als Kunst- und Bauschlosser. Sein Meisterstück war ein Teewagen, der heute noch in der Familie benutzt wird.

clip_image0014Meisterstück von Heinz Stilcke
ein Teewagen

1954 übernahm er den väterlichen Betrieb die "Schlosserei und Waagenbau - Heinz Stilcke" zunächst in der Steinstr. 29 und später in der Otto-Nuschke-Str. 36  (heute Mittelstr. 36) in Rathenow. Während seiner Meisterzeit hat er ein Dutzend (12) Lehrlinge ausgebildet. Er musste oft über Land fahren und die großen landwirtschaftlichen Waagen eichen. Er war von 1960-1990 Vorsitzender der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des metallverarbeitenden Handwerks in Rathenow. Von 1968 - 1990 war er im Vorstand der Handwerkskammer in Rathenow. Von 1956 -1972 war er Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses. 1992 übernahm sein Sohn den Betrieb, in dem er aber noch bis zu seinem 80. Lebensjahr mitarbeitete. Er hatte immer Freude an seinem schönen Beruf und hat sich bis ins hohe Alter den Sinn für alles Schöne bewahrt.

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Ein selbst angefertigter dreiarmiger Leuchter


1993, mit der Übernahme des Betriebes durch den Sohn, Frank Stilcke, nannte sich der Betrieb  in "Stilcke Metallbau"  um. 1994 wurde im Gewerbegebiet in Rathenow, Grünauer Fenn 33, ein Neubau errichtet.
Am 19.07.1952 heiratete Heinz Stilcke Gisela, Martha Christensen in der Lutherkirche.Ihr Trauspruch lautete:
" So ihr mich achtet, dass ich gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt allda." (Apostelgeschichte 16,15)
Sein Frau hatte Anwaltsgehilfin gelernt und arbeitete später in der Forstwirtschaft. Am 11.04.1955 wurde dem Ehepaar Stilcke der Sohn Frank, Arthur, Erich und am 08.07.1964 die Tochter Katrin geschenkt. Der Sohn Frank Stilcke ist Schlossermeister und Diplom-Ingenieur. Er hat in Roßwein (Sachsen) Fügetechnik studiert. Die Tochter Katrin arbeitet als Wirtschaftskauffrau in Bartschendorf. Heinz Stilcke hat fünf Enkel und vier Urenkel.  Er spielt noch gern Klavier. Ein alter Schulfreund kommt aus Berlin mit einem Cello angereist und sie musizieren gemeinsam. Heinz Stilcke war früher in der Schützengilde und ist ein leidenschaftlicher Fußballfan. Die Sudoko-Rätsel löst er mit Vorliebe. Seine Kriegserlebnisse hat er in einem knapp 60 Seiten starken Büchlein festgehalten. Auch hat er eine kleine Chronik seiner Familie und besonders des ererbten väterlichen Betriebes angelegt. Am 16.06.1997 trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei, um am Aufbauwerk der Kirche seiner Geburtsstadt mitzuhelfen. Zum zehnjährigen Betriebsjubiläum  nach dem Umzug  zum Grünauer Fenn   spendete die Firma Stilcke im Jahre 2004     1.617,00 € an den Förderkreis.

von links: Heinz Stilcke, Gisela Stilcke,
Frank Stilcke und Ehefrau Gerlinde Stilcke
übergeben den Scheck
an den Förderkreis

Am 11.01.2009 rief ihn Gott im Alter von 83 Jahren zu sich.

Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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