Biografie von Erberhard-Paul Steinke

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 16. Januar 2011 13:35

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Eberhard-Paul  Steinke wurde am 29.07.1932 in Meseritz bei Landsberg  geboren. Mit drei Jahren kam er nach Rathenow. Seine Großeltern Bertha und Paul Jansong in Rathenow haben sich sehr um ihn gekümmert. Er hat viele Jahre seiner Kindheit in Rathenow verlebt. Sein Großvater, Paul Jansong, war Chef der Rathenower Gendarmerie und wurde 1945 von den Russen erschossen. Er war seine Bezugsperson und beschäftigte sich viel mit dem Enkelsohn. Der Großvater wurde unter den Nazis auch gerügt, weil seine Frau den Juden immer noch etwas an Lebensmitteln zusteckte. Heinz Galinsky hatte eine jüdische Frau aus Rathenow geheiratet. Seine ganze Familie wurde von den Nazis ermordet. Heinz Galinsky, der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, und einziger Überlebender, erzählte ihm nach dem Krieg, dass die Lebensmittel der Bertha Jansong nicht das Wichtigste für die Rathenower Juden waren, sondern dass jemand sie achtete und ansprach in dieser schrecklichen Zeit. Das Haus der Großeltern in Rathenow stand neben den alten geschlossenen jüdischen Friedhof.

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Grabstein der Großeleltern Berta und Paul Jasong
auf dem Weinbergfriedhof in Rathenow

Es war sehr schön und zur Erinnerung an den ersten Ehrenbürger der Stadt Rathenow, Otto Fürst von Bismarck hatte man eine Bismarcklinde vor das Haus gepflanzt.
Da die Mutter in Posen arbeitete, ist er auch zeitweilig in Posen zur Schule gegangen. Bei der Flucht 1945 kam er über Landsberg wieder nach Rathenow, wo er auch wieder die Schule besuchte, bis die Eltern nach Bad Dürrenberg zogen. Eberhard-Paul Steinke hatte immer Sehnsucht nach Rathenow. Als er die 8. Schulklasse in Bad Dürrenberg beendet hatte, begann er eine Lehre als Bäcker mit dem Ziel in Rathenow später eine kleines Café zu eröffnen. Er arbeitete nach der Lehre erst einmal in Ost-Berlin, weil er so nah wie möglich bei Rathenow sein wollte. 1955 ging er nach West-Berlin und begann eine zusätzliche Ausbildung als Konditor und arbeitete in dem berühmten Café Kranzler. 1960 legte er die Meisterprüfung als Konditor ab. Am 15.05.1963 heiratete er Karin Koppehel, die als Hauswirtschaftsleiterin im Café Kranzler arbeitete. Am 18.11.1963 wurde der Sohn Thomas und am 05.07.1966 die Tochter Christine geboren. Eberhard-Paul Steinke hatte inzwischen ein eigenes Geschäft mit Café und Bäckerei am Cottbusser Tor in Berlin, das gut lief. 1968 erfuhr er, dass in Wenningstedt auf Sylt ein Haus zum Verkauf stand. Die Familie kaufte das Haus und richtete ein Café und ein Restaurant dort ein. Außerdem wurde eine kleine Pension betrieben. Das Möwennest war sehr erfolgreich, da die Menschen wegen der exzellenten Backwaren von überall her kamen.


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Pension Möwennest (Sylt)

2005 hat sich Eberhard-Paul Steinke aus diesem Geschäft zurückgezogen. Seine Tochter Christine führt jetzt die Pension. Das Backen wurde nach und nach bis auf sonntäglichen Kuchen aufgegeben. Da Rathenow mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche immer für ihn ein Stück Heimat darstellte, trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. am 16.06.1997 bei und begleitet den Wiederaufbau des Gotteshauses mit reger Anteilnahme. Erika Guthjahr, die zweite Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow, hatte ihn zweimal auf Sylt besucht und viele interessante Details seiner früheren Heimatstadt mit ihm austauschen können. Seine Kindheitserinnerungen hat er in dem Buch "Hinter´m Zaun" aufgezeichnet. Dieses Büchlein kann in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche gegen eine Spende erworben werden. Am 07.09.2010 starb Eberhard Paul Steinke an den Folgen eines Krebsleiden.

 

Hinterm Zaun im Havelland am 09.04.2013 neu  in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Buch von Eberhard Steinke “ Hinterm Zaun im Havelland” in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erhältlich. Das Buch wird für eine Spende von 20,00 € abgegeben. Es gibt leider nur eine Miniauflage

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Eberhard Steinke hat seine Kindheit in Rathenow verlebt. Er schreibt in der Familiensaga:
Etwas ist immer geblieben: das Heimweh nach Rathenow und dem Havelland, die alte Linde, dahinter die offene Haustür, der vertraute Geruch aus “echtem Bohnenkaffee”, Butterkuchen und ein Hauch vom frisch gebohnerten Fußboden. Im kühlen Keller unter der Fliegenhaube wartete Rote Grütze mit Vanillesoße. Den ersten Teil gab er 1997 heraus. Die Auflage ist vergriffen. Den zweiten Teil brachte er noch auf den Weg, bevor er im September 2010 starb. Bestellungen unter 03385-5200224.

 


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