Biografie von Dorothea Krauß

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 2. Februar 2011 12:52


 

Krauss-dorothea

Dorothea Sophie Charlotte Krauß wurde am 19.01.1926 in Klein-Machmin, Kreis Stolp (Pommern) geboren.  Sie wurde in Weitenhagen, Kreis Stolp, getauft und von Pfarrer Simon aus Stolpmünde in Weitenhagen konfirmiert. Ihr Vater, Georg Friedrich Krauß und ihre Mutter, Elisabeth Emma Berta Krauß, geborene Buchweitz, bewirtschafteten einen 25 Hektar ( 1 Hektar=10.000 m2 )großen Bauernhof, der seit 1705 als Erbhof in der Familie war. Es wurden auf dem Erbhof Roggen, Kartoffeln, Hafer, Gerste und Weizen angebaut. Es gab sechs Milchkühe, etliche Sterken (Kühe, die noch nicht gekalbt haben) und Kälber, 30 Schweine und zwei Pferde. Außerdem wurden Gänse, Enten und Hühner gehalten. Die Eltern, Großeltern und ein Landarbeiter bewältigten die gesamte Arbeit auf dem Hof. Dorothea besuchte von 1932 – 1936 die einklassige Dorfschule in Klein-Machmin und ging dann weiter in die Mittelschule nach Stolp. Nach der Schule half sie auf dem Erbhof mit. Alle anfallenden Arbeiten auf dem Feld, im Haus und im Stall wurden von ihr mit durchgeführt. Die Familie weckte viel ein, schlachtete und räucherte Wurst und Schinken, wie es auf dem Bauernhof üblich war. Der Schinken war bei allen Nachbarn sehr geschätzt. Die Eltern und Großeltern sprachen Plattdeutsch. Dorothea ist mit ihrer pommerschen Heimat bis heute gedanklich verbunden.

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Im Februar 1945 kam die sowjetische Armee in ihr kleines Dorf und im Herbst 1945 wurde das Dorf von Polen besetzt, die den Erbhof übernahmen. Im November 1946 bekam die Familie den schriftlichen Auftrag, das Dorf zu verlassen. von Stolp aus wurde die Familie in Viehwaggons nach Stargard gefahren und von dort nach Posen und von Posen nach Torgau in Sachsen. Hier wohnte die Familie mit anderen Umsiedlern in einer Kaserne. Als ein Onkel aus Stegelitz im Kreis Templin zu Besuch kam, schlug er vor, dass Dorothea Krauß eine Ausbildung als Lehrerin aufnehmen sollte. Vom März 1947 – September 1947 besuchte sie einen Lehrgang und wurde anschließend als Unterstufenlehrerin in Gerswalde, Kreis Templin, für drei Jahre eingesetzt. Die erste klasse, die sie übernahm, hatte 52 Schüler. Sie kam  mit den Kindern und dem Lehrerkollegium sehr gut zurecht und fühlte sich in ihrem Beruf wohl. Die Eltern wohnten inzwischen bei einer Schwester der Mutter in Stönkvitz auf Rügen. Als Dorothea Krauß 1950 in Gramzow, Kreis Angermünde, Unterstufenlehrerin wurde, holte sie ihre Eltern zu sich. 1951 starb der Vater vor Gram über den verlorenen Erbhof. Er hatte den Verlust nie wirklich überwunden. Am 12.01.1956 heiratete Dorothea Krauß Joachim Engel und zog nach Anklam. Der Ehemann, der bei einer Versicherung arbeitete, wurde wegen Unterschlagung verhaftet. Dorothea Krauß trennte sich von ihm und zog 1958 nach Premnitz, wo sie zunächst an der Südschule und später an der Geschwister-Scholl-Schule unterrichtete. 1965 zog sie nach Rathenow und arbeitete an der Schule in Rathenow-West. Zwei Schwestern der  Mutter  wohnten in Berlin-Spandau und zogen nach ihrer Berentung nach Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Die Mutter zog 1980 auch nach Bad Segeberg zu ihren Schwestern. Dorothea Krauß hatte im Alter von vier Jahren  einen Schlag von einem Kalb an den Kopf bekommen. Als sie 1963 ein Fernstudium aufnahm, wurden bei ihr das erste Mal psychische Störungen bemerkt, die sich als Epilepsie manifestierten und 1965 zur Berentung führten. 1969 nahm sie neben ihrer Rente wieder eine Tätigkeit als Verkäuferin im Kunstgewerbe des Kaufhauses Rathenow auf, die sie aber doch 1975 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.
Am 28.01.1962 war ihr Sohn Jens-Peter Krauß in Rathenow geboren worden. Sie hat zu ihrem Sohn und zu seiner Familie einen innigen Kontakt, besonders zu ihrem Enkelsohn. 1996 lernte sie auf eine Adventsfeier im Lutherhaus in Rathenow Erich Wolffersdorf kennen, den sie am 16.09.2005 heiratete. Der Ehemann starb an den Folgen eines Unfalls am 23.02.2007. Dorothea Krauß war immer ein aktives Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde. In ihrer Freizeit hat sie gern gestickt und gehäkelt oder Bastelarbeiten durchgeführt. Am 29.08.2005 trat sie dem Förderkreiszum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei. Ihr Lebensmotto ist bis heute:

Gott ist mein Fels.

Dorothea Krauß spendete die ersten Säulensteine für den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Nach 46 Jahren Leben in Rathenow ist ihr die Stadt doch ans Herz gewachsen und zu einer zweiten Heimat geworden.  Sie dichtet auch gern und hat einen ganzen Band unveröffentlichter Gedichte geschrieben. Am 18.05.2017 nahm sie Gott der Herr, gelobt sei sein Name, im gesegneten Alter von 91 Jahren zu sich.

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (18.05.2017)

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Gedichte

1. Abendhimmel

2. Irmela Winde 

3. Der Winter 

4. Freundschaft

5. Frühlingsgruß

 

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