Biografie von Dieter Sanselzon

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 24. Februar 2011 02:11


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Dieter Fritz August Sanselzon wurde am 29.05.1934 in Rathenow geboren. Sein Vater, Otto Rudolf Paul Sanselzon, war in der Optischen Fabrik Nitsche und Günter Abteilungsleiter. Seine Mutter Katharine Gertrud Helene Sanselzon, geborene Gräning, war Angestellte bei Krankenkassen. Am 19.08.1934 wurde er vom Superintendenten Georg Heimerdinger in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche getauft.

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Dieter Sanselzon wurde zu Ostern 1940 in der Jahnschule eingeschult und blieb hier bis zur dritten Klasse. Die vierte Klasse absolvierte er in der Hagenschule und ging ab der fünften Klasse zur Oberschule für Jungen am Schleusenplatz. Der Direktor König und sein Klassenlehrer, der Zeichenlehrer Thiel, unterrichteten ihn dort bis 1945. Die Oberschule für Jungen brannte durch die Kriegseinwirkungen ab. Mit zehn Jahren erhielt Dieter Sanselzon Geigenunterricht bei Fräulein Dreusicke, die fast alle Kinder in Rathenow unterrichtete. Nach einem Jahr Unterricht bei Fräulein Dreusicke wurde der Geigenunterricht für zwei bis drei Jahre von Rudolf Pause erteilt, der bei den Zietenhusaren Musik machte. Der Vater von Dieter Sanselzon musste bis 1949 20 Mark/Monat Schulgeld bezahlen. Der Unterricht an Öffentlichen Schule war nicht immer kostenfrei.

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Dieter Sanselzon wurde am 11.04.1948 in der Lutherkirche konfirmiert von Superintendent Georg Heimerdinger konfirmiert. Sein Konfirmationsspruch lautete:

Schäme dich es Evangeliums von Christo nicht; denn es ist die Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. (Römer 1,16)

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Nach dem Krieg waren nur die Jahnschule und die Geschwister-Scholl-Schule übrig geblieben. Er legte 1953 sein Abitur an der Oberschule des Jahnschulkomplexes ab.

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Abiturklasse von Dieter Sanselzon
(von links:

Obere Reihe Manfred Schulz, Kuno Hellberg

Von 1945 -1948 hieß die Oberschule im Jahnschulkomplex zwölfstufige Einheitsschule Rathenow und ab 1949 Karl-Marx-Oberschule. An der Karl-Marx-Oberschule erhielt er Musikunterricht vom Musiklehrer Erdmann Bogisch, der auch mit Hermann Tressel (ein Klasse über Dieter Sanselzon) und Dieter Sanselzon Kammermusik machte. Alle drei spielten Geige. Dieter Sanselzon war auch im Schulorchester der Oberschule, das von Lilian Schmidt geleitet wurde.

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Das Abiturjahr fiel mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 zusammen. Am 17. Juni 1953 sollte die Abschlussfeier für den Abiturjahrgang sein. Dieter Sanselzon erinnert sich noch, wie am 17. Juni 1953 die Schule ausfiel und er mit dem Fahrrad in die Fehrbelliner Straße fuhr, wo eine aufgebrachte Menschenmenge den als Spitzel bekannten früheren Polizisten gefangen genommen hatte und ihn brutal misshandelte. Erich Hagedorn hatte einige Menschen bei den Russen angezeigt und ins Gefängnis gebracht. Die Meute trieb Erich Hagedorn durch die Brandenburger Straße zur Bergstraße zum Hafen, wo man ihn ins Wasser stieß und mit Rudern auf ihn einschlug. Trotz der schweren Verletzungen konnte er an das andere Ufer kommen, wo ihn die Polizei mit einem alten DKW ins Krankenhaus brachte. Er starb aber trotz medizinischer Hilfe an den schweren Verletzungen.
Die Abiturfeier fand dann später in der Gaststätte “Vogelgesang“ am Wolzensee statt. Nach dem Abitur nahm er von 1953 -1957 ein Studium am Institut für Musikerziehung der Humboldt-Universität zu Berlin auf, um Musikpädagoge zu werden. Während des Studiums nahm er zwei bis drei Jahre heimlich Geigenunterricht bei Professor John Fechner in Westberlin, bei dem er aber erkannte, dass sein Talent nicht für eine Solistenkariere als Geiger ausreichen würde. Er lernte beim Studium seine Frau Lisa Lydia Teßmer aus Falkensee kennen, die Klavier spielte. Am 06.04.1957 heiraten sie in der Baptistenkapelle in Falkensee. Sein Frau ist später evangelisch geworden. Am 26.12.1959 wurde dem Ehepaar der Sohn Jürgen und am 05.02.1961 der Sohn Peter in Rathenow geboren. Lisa Sanselzon war Musiklehrerin in Nennhausen und später an der Musikschule in Rathenow. 1985 begann bei Lisa Sanselzon eine chronische Erkrankung, die am 22.06.2006 zum Tode führte.

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Lisa Sanselzon

Nach dem Studium arbeitete Dieter Sanselzon von 1957 -1991 als Musikpädagoge an der Geschwister-Scholl-Schule in Rathenow. Er war unter dem Direktor Peter Kurth dort stellvertretender Direktor. Er war auch bis 1991 Fachberater für Musik im Kreis Rathenow. Dieter Sanselzon wurde Mitglied des Kulturbundes, als er sich durch eine Rede von Professor Robert Havemann begeistern ließ, wo Havemann für die Kultur einen Aufbruch zu neuen Ufern forderte. Durch den Kulturbund kandierte Dieter Sanselzon 1961 auch für den Kreistag und kam dadurch in das Kreisparlament. Dieter Sanselzon war Vorsitzender der Kommission für kulturelle Massenarbeit. Dadurch entstand eine Freundschaft mit dem Ingenieur Horst Fleischhauer, der den ROW*- Chor ehrenamtlich leitete und dem ersten Leiter des kulruthauses in Rathenow, Manfred Huck. Dieter Sanselzon leitete von 1961- 1966 den Gemischten Chor in Spaatz und von 1972 – 1993 den ROW-Chor*. Am 15.08.19981 wurde er Kulturhausleiter in Rathenow. Die Leitung des Kulturhauses in Rathenow brachte für Dieter Sanselzon große Herausforderungen mit sich, im Nachhinein war das aber die glücklichste Zeit seines Berufslebens. Der damalige Landrat Dieter Dombrowski unterstütze ihn sehr bei der Aufgabe. Als 1994 der Landrat Dr. Burkhard Schröder im Landkreis Havelland gewählt wurde, gestaltete sich die Zusammenarbeit sehr enttäuschend. So nutze Dieter Sanselzon die Chance mit 60 Jahren ohne Rentenabschläge in den Ruhestand zu gehen. In seiner Freizeit widmet er sich nach wie vor der Musik und hat Interesse an Oper, Theater und Konzerten. Er liest auch gern und beschäftigt sich mit seinen zwei Enkeln.

Am 01.04.2007 trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. ein und spendete die Kupferplatte Nr. 21 für den Wiederaufbau der Turmspitze sowie die Dachsteine Nr.717-726 für den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Kirchenschiff.
Gott der Herr hat ihn am 13.10.2011 zu sich genommen. Möge er ihn am Tag der Auferstehung in seine ewige Herrlichkeit aufnehmen.

* ROW = Rathenower Optische Werke

 

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