Biografie der Bischöfin Rosemarie Köhn

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 3. Januar 2011 09:17

 


  

Norske

Die erste  weibliche Bischöfin Norwegens, Rosemarie Köhn, wurde am 20.10.1939 in Rathenow (heute Kreisstadt des Landkreises Havelland/Bundesland Brandenburg) in Deutschland geboren. Rathenow liegt etwa 80 km westlich von Berlin und nennt sich selbst  "Stadt der Optik", weil der Pfarrer Johann Heinrich August Duncker mit dem königlichen Patent von 1801 für die Bearbeitung von Gläsern mit einer Vielschleifmaschine die Grundlagen einer optischen Industrie gelegt hat. Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, an der auch Johann Heinrich August Duncker gewirkt hat, wurde am 28.04.1945, also in den letzten Kriegstagen, von Brandgranaten getroffen und brannte völlig aus. Der Vater von Rosemarie Köhn, Karl Max Willy Köhn (*18.08.1909 in Rathenow – † 1967 in Hamm), war Optiker in Rathenow und reiste nach Skandinavien, um optische Geräte zu verkaufen. Die Mutter von Rosemarie Köhn, Eva Mathilde Sörlle (*04.05.1918 in Meraker – †27.02.2011in Drøbak ), sprach sehr gut Deutsch und arbeitete im Hotel, als sie sich in den deutschen Optiker verliebte. Die Hochzeit fand am 04.03.1939 im Nidarosdom in Trondheim statt.

 

clip_image001Nidarosdom in Trondheim 

 
Altes Bauernhaus im
Freilichtmuseum Trondheim

Video

Nach der Heirat ging die Mutter nach Rathenow, wo Rosemarie dann am 20.10.1939 geboren wurde und bis 1946 aufwuchs. Sie wurde in Rathenow  eingeschult und wohnte in der Fehrbelliner Str. 14, in der Heinrich-Heine-Str. 60 und in der Röntgenstr.1 A.

clip_image002Wohnhaus des Vaters in Rathenow, 
Fehrbelliner Straße 18

clip_image003Wohnhaus von Rudi Pietsch
Rathenow, Heinrich-Heine-Str. 60
Familie Köhn wohnte dort zur Miete

clip_image004Rathenow, Röntgenstr. 1A
Hier wohnte die Familie Köhn kurze Zeit

Da der Vater nach dem Krieg in amerikanischer Gefangenschaft festsaß, ging Rosemarie Köhn ging nach dem Krieg (1939 -1945) mit ihrer norwegischen Mutter 1946 nach Gjerdum, in der Nähe von Oslo.  Die Reise ging über ein Lager in Kleinmachnow in ein anderes Lager nach Hamburg und von dort mit einem Rotkreuzdampfer nach Oslo. Es war kurz vor Weihnachten als das Schiff durch den Fjord in Oslo anlangte und die kleine Rosemarie war von den vielen Lichtern, die dort von beiden Ufern leuchteten, fasziniert. In Deutschland musste ja während des Krieges alles verdunkelt werden. Die Mutter musste sich nach den damaligen Gesetzen in Norwegen von ihrem deutschen Mann trennen, sonst hätte sie keine Einreiseerlaubnis erhalten. Die Fronten zwischen Norwegern und Deutschen waren nach den Krieg aus verständlichen Gründen ziemlich verhärtet. Die Mutter hatte mit ihr nur Deutsch gesprochen und als man in Norwegen war und Rosemarie mit ihrer Mutter erzählen wollte, wurde ihr bedeutet, dass das nicht mehr ginge. Die deutsche Sprache war nach dem Krieg tabu und so musste das kleine Mädchen sehr schnell Norwegisch lernen. Nach der Schule studierte sie in Oslo Theologie und bestand 1966 das Staatsexamen als Theologin an der Universität Oslo. 1969 wurde sie vom Bischof Per Lonning zur Pfarrerin ordiniert. Danach war sie jahrelang Dozentin für Geschichte der Religion und religiöse Bildung an der Universität Oslo und verfasste 1971 eine hebräische Grammatik. Ihr Forschungsgebiet war die Prophetie.  Von 1993 - 2006 bekleidete sie als erste Frau in Norwegen das Amt einer Bischöfin von Hamar in der Norwegischen Staatskirche. König Harald V. von Norwegen ernannte sie zur Bischöfin  und lange Zeit war sie die einzige Frau in der Bischofskonferenz, an der der König und die Königin teilnahmen. In den Pausen bat sie die Königin Sonja in ihre Privatgemächer, denn sie beide waren ja in dieser Männerrunde die einzigen Frauen, was ein herzliche Bindung schaffte.

clip_image005Domkirche in Hamar

Die Königliche Bischöfin Rosemarie Köhn ist bekannt für ihre Toleranz. Als eine Pastorin, die lesbisch war, im Jahre 1999 auch noch ihre Partnerin heiratete, entzog die Synode ihr das Recht zu predigen. Darüber empörte sich die Bischöfin Rosemarie Köhn. Da in Norwegen gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich anerkannt sind, handele es sich um eine berufliche Diskriminierung, wenn Pastorinnen dieses Recht verweigert würde. Die Bischöfin setzte sich über alle Widerstände in der Kirche hinweg, und gewährte der Pastorin das Recht zu predigen. Im Herbst 2002 ordinierte sie zum ersten Mal in der Landeskirche Norwegens einen homophilen Pfarrer. (Ordination: Einsetzung eines Geistlichen in sein Amt).  Die Bischöfin Rosemarie Köhn arbeitete 2003 an der Frage des Rechts der Homophilen beziehungsweise der Lesben auf Kinderadoption. Die Bischöfin trägt die Verantwortung für die liberalen Traditionen der Toleranz im Bistum Hamar mit liebevoller Würde. Sie erhielt für ihre Verdienste als Bischöfin von Hamar 2004 den Sankt-Olav-Orden vom norwegischen König.

clip_image006

Bischöfin Rosemarie Köhn 
mit dem
Sankt-Olav-Orden

Neben den Aufgaben als Bischöfin hat sie sich immer auch für Verkehrssicherheit und die Flüchtlingspolitik engagiert. Sie ist eine klare Befürworterin der Europäischen Union. Norwegen hatte 1994 in einer Volksabstimmung mit "Nein" votiert. " Ich finde, Norwegen sollte Mitglied werden. Es wird zu widersprüchlich, die Früchte der Erfolge der EU zu genießen, gleichzeitig aber keinen Einfluss ausüben zu können", sagt die Bischöfin. Sie ist sich dabei durchaus darüber im Klaren, dass sie in ihrem von Landwirtschaft geprägtem Bistum dafür viel kritisiert werden wird.

clip_image007

 
Bischöfin Köhn mit der königlichen Familie
(von links: Königin Sonja von Norwegen, König Harald V. von Norwegen, Bischöfin Rosemarie Köhn und Bischof Andreas Aarflot)

Das Bistum Hamar wurde im Jahre 1153 durch den Kardinal Nikolaus Breakspere aus England, später Papst Hadrian IV., errichtet. In der Reformation wurde Bischof Mogens 1536 als Gefangener nach Dänemark gebracht. Seitdem ist der König das Oberhaupt der Kirche. Im Jahre 1567 wurde im Nordischen Krieg der Dom von Hamar durch schwedische Soldaten gesprengt. Heute sind die Reste der Ruine unter Glas zu bewundern. 327 Jahre lang gehörte Hamar zum Bistum Oslo. Die gemeinsame Domkirche war die "Var Frelsers Kirke" in Oslo. 1864 wurde Halvor Folkestad der erste protestantische Bischof von Hamar. Das Bistum Hamar umfasst fast vollständig die Fylker Hedmark und Oppland in Ostnorwegen. Es hat 370.000 Einwohner, die zu 90% der lutherischen Staatskirche angehören. Im Bistum gibt es 210 Kirchen, 40 Pastorinnen und 90 Pastoren.

clip_image008

 
Rentiere überqueren eine Straße


Am 06.11.2009 trat sie dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei, weil sie den Wiederaufbau des im zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Gotteshauses ihrer Geburtsstadt unterstützen wollte.
Am 26.01.2011 besuchte sie die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow und war zu Tränen gerührt, als sie den Wiederaufbau der Sterngewölbe im Kirchenschiff bewundern durfte.

clip_image009Bischöfin Rosemarie Köhn mit Pfarrer Andreas Buchholz
vor der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
in Rathenow

Anschließend trug sie sich in das Ehrenbuch der Stadt Rathenow ein. Sie berichtete, dass sie die Sankt-Marien-Andreas-Kirche brennend erlebt hat und dass ihre Mutter zu ihr sagte, dass nun auch die Hoffnung verschwunden wäre. Um so mehr freut sie sich jetzt, dass die Kirche mit dem Turm und den Sterngewölben wieder aufgebaut worden ist. Sie war den Tränen nahe, denn wenn sie an die Worte ihrer Mutter denkt, so kann sie heute sagen: “Die Hoffnung ist zurückgekehrt”. Der Bürgermeister würdigte das Wirken der Bischöfin in Norwegen.  Da sie eine gebürtige Rathenowerin sei, trage das auch zur Ehre ihrer Heimatstadt bei. Bischöfin Rosemarie Köhn berichtete, dass sie Theologie studiert habe, weil sie ein neugieriger Mensch sei. Sie wollte wissen, “was die Welt im Innersten zusammenhält”, um mit Goethe zu sprechen. Sie hat früh Hebräisch gelernt und fand die Sprache eine einfache alte Sprache, die sie aber leicht begreifen konnte. Als Professorin für praktische Theologie an der Universität Oslo hat sie eine Grammatik der Hebräischen Sprache geschrieben, die die Studenten in ganz Skandinavien dankend annahmen. Viele Theologen berichteten ihr später, dass sie durch ihre ganz logisch aufgebaute Grammatik erst das schwierige Staatsexamen in Hebräisch bestanden haben.

clip_image010Rosemarie Köhn trägt sich am 26.01.2011 ins Ehrenbuch der Stadt Rathenow ein
(von links:
Bürgermeister Ronald Seeger,  Bischöfin Rosemarie Köhn, Theologin Susanne Sönderbø, Roland Schmidt vom Westhavelland-TV)

clip_image011Eintrag im Ehrenbuch der Stadt Rathenow

Heute lebt die Bischöfin in Hamar. Wenn  sie eine Reise durch das Land macht, schlägt ihr immer noch eine breite Sympathiewelle der Menschen entgegen. Sie war nicht nur die erste Frau in Skandinavien im Bischofsamt. Sie hat durch ihre unkonventionelle moderne Art der Verkündigung viele Randgruppen der Kirche wieder in die norwegische Staatskirche eingebunden. Die Menschen verehren sie bis auf den heutigen Tag.

 

 

clip_image002
1.
Die mittelalterlichen Ruinen der Kathedrale von Hamar

 

 

2. Königin Sonja von Norwegen

 

IMG_0042
3. Besuch bei der Bischöfin in Hamar vom 28.07.20011 – 01.08.
2011

 

4. Besuch der Bischöfin Rosemarie Köhn  in Rathenow (06.04.-08.04.2012)
Die Bischöfin Rosemarie Köhn wohnte bei ihrem Besuch in Rathenow in der Röntgenstraße 13, quasi in ihrer alten heimatlichen Straße in einem Wohnmobil.
www.fewo-rathenow.eu

Rundgang-1 Video

Rundgang-2 Video

5. Besuch der Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn in Rathenow (23.04.-27.04.2014)

clip_image002Die königliche Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn
in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
mit einem Kreuzgewölbegrundrissstein

Die Bischöfin a.D. Rosemarie Köhn aus Hamar in Norwegen besuchte vom 23.04. -27.04.2014 ihre Geburtsstadt Rathenow und ließ es sich nicht nehmen, ihrer Taufkirche am 24.04.2014 einen Besuch abzustatten. Sie ist ein engagiertes Mitglied des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. und hat in ihrer ersten Predigt als Bischöfin von Hamar im Jahr 1993 auf die zerstörte Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow Bezug genommen. Damals wuchsen Bäume aus dem in Schutt und Asche gelegten Chorraum. Das Kirchenschiff war einfach zum Chorraum hin zugemauert worden und das Allerheiligste als Ruine belassen worden. Aber das Grün dieser Bäume war für die Bischöfin ein Zeichen von Hoffnung, dass das Gotteshaus wieder aufgebaut werden könnte und so ist es ja auch gekommen. 1995 war der Chorraum wieder mit einem Dach versehen worden. Die schadhaften Wände waren wieder aufgemauert worden und die Wand zum Kirchenschiff wurde entfernt. Es fehlen jetzt nur noch die drei Kreuzgewölbe im Chorraum, für deren Wiederaufbau sich auch die Bischöfin a. D. einsetzt.


clip_image002[1]Die Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn
in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Die weltberühmte Königliche Bischöfin a.D. Rosemarie Köhn aus Hamar in Norwegen besuchte vom 23.04. -27.04.2014 ihre Geburtsstadt Rathenow. Sie war von 1993 -2006 als Königliche Bischöfin von Hamar in der Norwegischen Staatskirche tätig und hat damit Kirchengeschichte geschrieben, denn sie war seit Bestehen der christlichen Kirchen die zweite Frau im Bischofsamt. Mit Susanne Sonderbø besuchte sie am 24.04.2014 die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, um deren Wiederaufbau sie sich sehr bemüht. Ein Bild von Helmut Neitzel in der am 20.04.2014 eröffneten Gemäldeausstellung „ Gott und die Welt“ hatte es ihr besonders angetan und sie kaufte es sofort, um ihm in ihrer kleinen Wohnung in Hamar einen Ehrenplatz zu geben. Das Grün der Bäume symbolisiert für die Bischöfin immer die Hoffnung. Aus dem im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Rathenow mit ihrer norwegischen Mutter in Oslo angekommen, war für sie die Erinnerung an ihre ersten Kindheitsjahre in Rathenow immer präsent. Jetzt, wo sie im Alter den Wiederaufbau ihrer Taufkirche unterstützen kann, macht es ihr große Freude, zu sehen, wie das Gotteshaus wieder zum Lobe Gottes aufgebaut wird. Vielleicht wird sie eines Tages die zweite Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow nach Erika Guthjahr, aber Gottes Mühlen malen langsam, wie der Volksmund mit Recht sagt.


Besuch in Rathenow vom 17.04.2017 -  21.04.2017

Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo  aus Hamar in Norwegen besuchten vom 17.04.2017 - 21.04.2017 die Geburtsstadt der Bischöfin Rathenow. Rosemarie Köhn erfüllte sich dabei einen Kindheitstraum und suchte im Garten in der Röntgenstr. 13 in Rathenow bute Ostereier und andere Ostersachen. Es war eine große Freude für sie


                                                                                  Video




Von links: Viola Knackmuß, Dr. Heinz-Walter Knackmuß (im Gewand des Bischofs Bodecker), Bischöfin Rosemarie Köhn, Landrat Roger Lewandowski, Susanne Sonderbo

 

Am 05.11.2009 feierte ich meinen 65. Geburtstag und hatte viele Gäste dazu eingeladen. Die Kreuzgewölbe im Mittelschiff wurden gerade aufgebaut und ich zeigte meinen Gästen aus Nordrhein-Westfalen am 06.11.2009 in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, wie die Technik des Rippenaufbaus funktionierte, als zwei Frauen in die Kirche schlüpften und interessiert zuhörten. Susanne Sonderbo sagte: “Wir kommen aus Norwegen.“ Und ich fragte ihre Begleiterin, die Bischöfin Rosemarie Köhn: „Sprechen Sie Deutsch?“ „Wenig,“ meinte sie, „aber ich verstehe alles.“ Dann fragte ich die Bischöfin: „Wollen Sie Mitglied im Förderkreis werden?“ Und zu meiner großen Überraschung antwortete sie: “Ja,“ und füllte sofort mit feiner Handschrift den Aufnahmeantrag aus. Seitdem ist Rosemarie Köhn Mitglied im Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. und trägt seit acht Jahre mit den anderen Mitgliedern die Last des Wiederaufbaus mit großer Begeisterung. Die 77-jährige Bischöfin ist heute von vielen Altersleiden geplagt, und es ist eine besondere Herausforderung für sie, sich auf den weiten Weg nach Rathenow zu machen. Auch wenn sie mit Susanne Sonderbo im eigenen Wohnmobil reist, bleibt es eine Reise, die immer wieder von Pausen zur Erholung von Körper und Seele unterbrochen werden muss.

Die Bischöfin Rosemarie Köhn aus dem norwegischen Hamar besuchte mit Susanne Sonderbo vom Ostermontag (17.04.2017) bis zum 21.04.2017 ihre Geburtsstadt Rathenow. Viele Kindheitserinnerungen verbinden sich mit ihrer Heimatstadt zum Beispiel wie sie als Kind Ostereier in Rathenow gesammelt hat. So war es ihr eine besondere Freude im Garten in der Röntgenstraße 13 noch einmal in ihrem Alter auf die Suche nach Ostereiern gehen zu dürfen. Sie und Susanne Sonderbo waren am 18.04.2017 natürlich in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Als die Bischöfin nach 1990 das erste Mal wieder in Rathenow war, sah sie die großen grünen Bäume im verwüsteten Chorraum der Kirche und sagte: „Gott schenkt der Stadt wieder neue Hoffnung. Man sieht es am Grün der Bäume.“ Diese Hoffnung, die sie beim Anblick des Grüns der Bäume in der vom Zweiten Weltkrieg so schwer zerstörten Kirche verband, war dann das Leitthema ihrer Predigt in Hamar, als sie 1993 ins Bischofsamt berufen wurde. Alle Zuhörer, auch der König Harald V. und seine Gemahlin die Königin Sonja, meinten, das sei einer ihrer besten Predigten gewesen. Am Mittwoch den 19.04.2017 empfing sie der Landrat des Landkreises Havelland, Roger Lewandowski, zu einem Gespräch und zu einem Fototermin. Der Landrat hat sich zu Ehren der Bischöfin extra eine lila Krawatte umgebunden. Er empfing die Bischöfin am Eingang der Kreisverwaltung und geleitete sie nach dem Fototermin am Arm in seine Amtsräume, wo ein kurzes Gespräch über das Schicksal der Bischöfin geführt wurde. Anschließend begleitete der Landrat die Bischöfin bis vor das Portal der Kreisverwaltung und verabschiedete sich von ihr. Es gab in der über 800jährigen schriftlich überlieferten Geschichte nur zwei Bischöfe, die in Rathenow geboren wurden, der Bischof von Brandenburg, Dr. Stephan Bodecker (*15.11.1384 -15.02.1459) und die Bischöfin von Hamar, Rosemarie Köhn (*20.10.1939). Die Rathenower Luft scheint für das Hebräisch besonders geeignet zu sein, denn der Bischof Bodecker sprach sehr gut Hebräisch und hatte auch ein hebräisches Lexikon herausgegeben. Er sammelte viele hebräische Schriften und setzte sich sehr für die damals entrechteten Juden ein. Die Bischöfin Rosemarie Köhn hat eine hebräische Grammatik herausgegeben, nach der alle Theologiestudenten in ganz Skandinavien lernten. Zu mir sagte sie einmal: “Das Hebräisch ist eine einfache Sprache.“ Die Grundregeln hätte sie sofort begriffen.  Rosemarie Köhn war die zweite Frau weltweit und die erste Frau in Norwegen, die das hohe kirchliche Amt einer Bischöfin bekleidete. Wegen der geschichtlichen Bedeutung der Bischöfin Rosemarie Köhn vermag man es kaum glauben, dass es in der Stadtverordnetenversammlung von Rathenow Abgeordnete gibt, die sich bei dem Votum für eine Ehrenbürgerschaft auf das Argument beschränken: „Was hat die Frau für die Stadt Rathenow getan?“ Wenn diese Frage von Atheisten käme, würde das jeder begreifen. Aber wenn eine engagierte Christin in so herausragender Position zu Disposition steht, ist das schwer nachvollziehbar. Aber wie schon Martin Luther vor 500 Jahren trefflich übersetzt hat: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen (Johannes 1,5).“ 

Die Bischöfin hat bei ihrem Besuch besonders die Stätten sehen wollen, wo sie als Kind gewohnt hat, in der Heinrich-Heine-Straße und in der Röntgenstraße und das Haus ihres Vaters Willy Köhn, der in der Fehrbelliner Straße gewohnt hat. Daneben ist sie immer wieder vom Havelland begeistert und machte eine Tour nach Semlin, Ferchesar, Lochow und Stechow. Die Dorfkirchen in der Umgebung von Rathenow haben ja ihren eigenen Charme und die Bischöfin hat sich besonders gefreut, als sie in Ferchesar das Baugerüst um den Kirchturm sah. Auch für diese kleine Kirche keimt damit wieder Hoffnung. Am Dienstag, den 18.04.2017 waren wir beim Förderkreismitglied Michael Schönberg in seinem Restaurant „Zum Alten Hafen“ zum Abendessen eingeladen. Das Essen war großartig und der Blick auf die im Abendlicht leuchtende Kirche hat die Bischöfin tief bewegt.

 


                                                       Michael Schönberg mit der Bischöfin Rosemarie Köhn                                                    
in seinem Restaurant „ Zum Alten Hafen"

Am 20.04.2017 besuchte ide Bischöfin Rosemarie Köhn mit Susanne Sonderbo Ribbeck und bestaunte den legendären Birnbaum auf dem Friedhof und den Birnengarten vor dem Schloss Ribbeck, wo alle Bundesländer in Deutschland einen Birnbaum gepflanzt haben. Natürlich trug sich die Bischöfin in das Gäsebuch in der Ribbecker Kirche ein.



Bischöfin Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo
aus Hamar (Norwegen) unter dem Birnbaum
Dann ging es am 20.04.2017 weiter nach Stölln, wo die Bischöfin Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo den Film von der Landung der IL 62 ansahen und sich die Bischöfin wieder in das Gästebuch eintrug.


Bischöfin Rosemarie Köhn vor der IL 62 in Stölln

Ich habe mich sehr gefreut, dass sie ihre Geburtsstadt Rathenow im Lutherjubiläumsjahr 2017 besucht hat und wünsche ihr, dass sie gesund wieder in Hamar anlangen möge.



Tags:

Biografien

Kommentare sind geschlossen

Tag cloud

Month List

AuthorList